Freitag, 5. August 2011

Shannara oder Warum ich Fantasy Liebe

Dieser Text ist wohl etwas sehr persönlich und der durchschnittliche Leser, der nicht ich ist, wird ihn teilweise, möglicherweise, langweilig finden. Außerdem könnte sich der eine oder andere Spoiler zu den Büchern der „Shannara“-Serie und der „Word&Void“ Trilogie darin befinden. Wobei ich sagen muss, alles was gespoilert werden könnte, hatte ich schon im ersten „Shannara-Band“ zwischen den Zeilen gelesen – also halte ich die Gefahr eher für gering. Wenn auch nur eine Person wegen diesem Text ein „Shannara“-Buch kauft, hat dieser Blog seinen Zweck mehr als erfüllt.
Grundsätzlich besteht der Eintrag aus zwei Teilen. Im ersten Teil werde ich meine persönliche Geschichte mit "Shannara" zum Besten geben - wann ich die Bücher gelesen habe und meine Gedanken dazu.
Im zweiten Teil werde ich ein paar Ausführungen zu „Lord of the Rings“ vs. „Shannara“ darbieten und argumentieren, warum ich "Shannara" für die bessere Fantasy halte.

Das erste Shannara Buch, und so ziemlich das erste Buch überhaupt, welches ich mit meinem eigenen Taschengeld gekauft habe, ging am 18.05.1992 in meinen Besitz über. Ich kann mich noch gut an das Gefühl erinnern, als ich in dem Drehständer in der kleinen Buchhandlung, nur wenige Minuten von meiner Schule entfernt, zum ersten Mal das Coverbild sah und da wusste ich: „Das ist es. Dieses Buch muss ich lesen.“ Damals war mir allerdings noch nicht klar dass mit diesem simplen Akt der freien Marktwirtschaft eine Liebe beginnen würde, die bis heute ungebrochen ist. Beinahe zwanzig Jahre später. Der neueste Shannara Band, „The Bearers of the Black Staff“ kam in einem Amazonpaket welches ich am 04.08.2011 öffnete. Der Nachfolger ist schon vorbestellt und wird wohl auch bald bei mir sein. Grund genug ein wenig in der Vergangenheit zu schwelgen. Dieses schwelgen wird mir dadurch erleichtert, dass die meisten meiner „wichtigen“ Bücher (und dazu gehört jeder einzelne „Shannara“ Band) von mir direkt nach dem Kauf mit handschriftlichen Texten versehen worden waren. Da steht dann das Kaufdatum, mein Alter, meist auch der Ort, wo ich das Buch gekauft hatte und andere interessante Infos (zum Beispiel die Schulklasse, der Name meines mittlerweile verstorbenen Hundes und einiges anderes Zeugs was mir zu dem Zeitpunkt durch den Kopf ging … wie kleine Tagebucheinträge). Das beinahe 20 Jahre später zu lesen ist ein interessantes Gefühl … ich habe ja alle Originalbücher noch! Sollten sie einmal auseinanderfallen, werde ich wohl nicht umhinkommen, alles zu scannen - diese Schätze dürfen nicht verloren gehen.

Bücher habe ich immer schon geliebt. Meine früheste Erinnerung ist eine in der Bibliothek meines Vaters in der ich ihn darum bitte mir aus einem Buch vorzulesen. Interessanterweise war dieses Buch „Odyssee 2010“ von Arthur C. Clarke. Natürlich kein Kinderbuch aber ich fand das Raumschiff auf dem Schutzumschlag des Hardcovers so faszinierend. Die Discovery mit ihrem schlanken Körper und dem kugelförmigen Kopf. An die ersten paar Sätze meines Vater kann ich mich noch gut erinnern, danach verschwimmt alles irgendwie. War aber auch noch sehr jung, war wohl nicht anders zu erwarten.

Später habe ich das Fantasy-Genre für mich entdeckt, angeregt durch meinen Bruder und den Animationsfilm von Ralph Bakshi zu „Lord of the Rings“. Natürlich kamen dann die dazugehörigen Bücher dran. Aber wenn man mich fragt, mit welchem Werk mein Leben als Leser wirklich begann, dann komme ich doch wieder auf den Sommer 1992 und „Shannara“ zurück. Die meisten der Bücher sind in Trilogie eingeteilt. Ich begann mit den ersten drei Bänden (Schwert/Sohn/Erbe) und arbeitete mich kaum einen Monat später zur nächste Trilogie innerhalb von Shannara durch (Elfensteine/Druide/Dämonen). Die dritte Trilogie (Zauberlied/König/Erlösung) sowie die vierte Trilogie (Kinder/Mädchen/Zauber) bildeten den Abschluss des Shannara-Jahres 1992. Im April 1993 folgte dann endlich „Der Schatten von Shannara“  und im Mai „Die Elfenkönigin von Shannara“ (ein Geschenk meines Bruder, mittlerweile auch ein großer Fan). An dem Punkt hatte ich leider ein kleines Problem:  Ich war völlig up-to-date, was die Veröffentlichung der Bände betraf … ich musste also warten, bis Terry die nächsten beiden herausbrachte und mich an sein Tempo halten.  Gar nicht so einfach.

Tatsächlich waren diese zwei Jahre für mein Leben entscheidend. In der Schule mussten wichtige Entscheidungen getroffen werden und ich lernte langsam, wer ich war und wo mein Platz in der Welt sein könnte. Lesen hat dabei sehr geholfen. Shannara war ,im Gegensatz zu den meistern Kinder- und Jugendbüchern, nicht rein Schwarz-Weiß sondern viele der Abenteuer fanden in einer gewissen Grauzone statt. Die Motive der Handelnden waren auf den ersten Blick schwer zu verstehen, auf den zweiten extrem vielschichtig und auf den dritten hin überraschend realistisch. Selbst die recht finstere Gestalt des Dämonen-Lords aus der ersten Trilogie, bekommt eine faszinierende Biografie mit auf den Weg gegeben (auch wenn vieles davon im Dunkeln bleibt und einiges erst in späteren Bänden ans Licht kommt) – er ist nicht nur einer, der nach absoluter Allmacht strebte, sondern auch ein Produkt der Vergangenheit und der Umstände dieser Welt. Einer, der am Anfang glaubt das richtige zu tun, nur um am völlig falschen Ort zu enden. Das geht mir bei vielen Fantasy „Bösewichten“ ab. Und es hat mich beeinflusst – an einem Punkt in meinem Leben, an dem diese Beeinflussung wichtig war. Seit dem sehe ich Fantasy anders und reines „Schwerter-und-Blut plus Frauen im Metal-Bikini“ Fantasy in einer pseudo-mittelalterlichen Welt ist mir suspekt. „Shannara“ ist mehr. Diese Welt hängt nicht ohne Erklärungen in der Luft. Schon im ersten Band wird einem klar: Das ist nicht irgendeine generische Welt, nein, das ist unsere Welt und etwas Schreckliches muss passiert sein, um sie an diesen Punkt zu bringen. Da wird man nachdenklich. Aber dazu weiter unten mehr.    

Es sollte fast ein Jahr dauern, bis zum Januar/Februar 1994, bevor die nächsten beiden Bände käuflich zu erwerben waren: „Die Reiter von Shannara“ und „Die Talismane von Shannara“. An dem Punkt folgte der große Schock mit der Frage: „Wie geht es jetzt weiter?“ Wenn ich meine handschriftliche Anmerkung im Buch lese, dann sehe ich, dass ich damals dachte, „Die Talismane“ wären der letzte Shannara Band überhaupt – und so sah es auch aus (damals war Wikipiedia nur ein Traum und das Internet bestenfalls an Universitäten bekannt, zumindest hierzulande ... also wohwer sollte man Infos bekommen?).
Zum Glück behielt ich unrecht. Dennoch dauerte es mehr als 2 Jahre (bis 1996), bis ich den nächsten Band in Händen hielt: „The First King of Shannara“ – diesmal wartete ich gar nicht erst auf die deutsche Fasung, sondern bestellte gleich das Original zur Veröffentlichung. Aber so richtig glücklich wurde ich damit nicht. Leider handelte es sich um ein Prequel, also eine Geschichte, die quasi die Hintergründer der Vergangenheit beleuchtet und erzählt, was man bisher nur zwischen den Zeilen lesen konnte, nämlich die Geschichte des heroischen Elfenkönigs Jerle Shannara, die 500 Jahre vor den Ereignissen der erste Trilogie spielt.

Das war jetzt nicht sonderlich befriedigend, da ich wissen wollte, wie sich diese Welt in die Zukunft hin entwickelt. Aber ich nahm was ich kriegen konnte. Außerdem war mein Leben wieder einmal stressig geworden – neue Entscheidungen, neue Orte … beinahe ein neues Leben

An dem Punkt ließ Terry Brooks Shannara für einige Zeit ruhen. Statt dessen konzentrierte er sich auf die „Word&Void“ Serie, deren drei Bände jeweils in den Jahren 97, 98 und 99 erschienen. Damals war mein Leben wieder in einem etwas hektischen Zustand. Die Universität rief und ich folgte. Es war dort, in einem Geschäft in der Fußgängerzone, dass ich Trerrys Brooks Namen auf einem Buch namens „Running with the Demon“ sah und damit den ersten Band der „Word&Void“ Trilogie kaufte. Hauptsächlich gelesen in der Badewanne in einer kleinen Studentenbude, mit einem Boiler, der gerade mal für eine halbe Wanne reichte, ehe nur mehr kaltes Wasser kam. Ziemlich unfein, aber das Buch hat mich getröstet. Eigentlich war „Running with the Demon“ nie als Anfang einer neuen Serie geplant - es liest sich abgeschlossen und ich hätte gut damit leben können (ja, es ist super, kann ich jedem wärmstens empfehlen – nur wären eben nicht mehr Bände notwendig gewesen, wenn überhaupt., dann schadete das der Stärke und Strahlkraft der Geschichte nur) … aber wie sagt man so schön? Es kommt häufig anders als man denkt.

In jenen drei Bücher beschreibt Terry keine Fantasy-Welt, sondern die Gegenwart, jedoch mit Elementen wie Dämone, die unsere Welt bedrohen und die „Ritter des Wortes“, die gegen jene Dämonen kämpfen und ein Mädchen beschützen, das für die Zukunft von ungeheurer Bedeutung sein wird. Nichts daran ließ an Shannara denken … so schien es zumindest. Aber davon später mehr.

Erst im Jahre 2000 (also nach über 4 Jahren)  kehrte Terry zu Shannara zurück, diesmal mit der Trilogie „The Voyages of the Jerle Shannara“ (2000-2002). Sehr interessante Bücher, in denen man viel über die Vergangenheit erfährt, die jedoch die Geschichte auch endlich weitertragen, in die Zukunft. Allerdings hatte sich auch Terrys Stil verändert – seine Geschichten wurden sehr viel düsterer und ernster als noch zuvor, eine gewisse Leichtigkeit war ihm abhandengekommen. Allerdings kann auch gesagt werden, dass er schon die Bühne vorbereitete für einen Schritt, der wohl unter vielen Shannara Fans als kontroversiell betrachtet wird. Aber auch dazu etwas später mehr. Schließlich reichte Terry von 2003-2005 die bisher letzte Trilogie nach, welche die Geschichte der Welt von Shannara in die Zukunft hinaus trägt: „High Druid of Shannara“.

Danach griff der gute Mr. Brooks zu einem Zaubertrick der, wie schon angesprochen, zwiespältig aufgenommen wurde, dem auch ich nicht ganz unkritisch gegenüberstehe. Schon im ersten  Band (Das Schwert von Shannara, 1977) wurde eindeutig klar, dass die Welt von Shannara eigentlich unsere Welt ist, nur 2000 Jahre in der Zukunft, nach einer Serie von verheerenden Kriegen, die nicht nur alle moderne Technologie ausgelöscht, sondern die ganze Welt bis zur Unkenntlichkeit verändert haben. Immer wieder trafen die Helden auf Artefakte aus jener Zeit – von großen Ruinenstätten aus Beton (direkt im ersten Band) bis hin zu einer künstlichen Intelligenz in einer Bunkeranlage, die die Apokalypse überlebt hat (The Voyages of Jerle Shannara II: Anthrax). Die meisten, auch ich, wollten zu gerne wissen, was damals wirklich geschehen war, wieso die Welt untergegangen ist und wie es dazu kam, dass die neue Welt von Shannara auf ihren Ruinen erstand. Nun hätte sich Terry einfach hinsetzen und etwas dazu schreiben können, eine neue Geschichte, die sich nahtlos in das Gefüge seiner Welt eingepasst hätte. Statt dessen entschied er, dass die „Word&Void“ Serie nun die Vorgeschichte von Shannara sein sollte. Und mit einem Federstreich wurde aus einer großen, kleinen Fantasytrilogie ein müdes Prequel.  

Um den Übergang zu erschaffen, begann Terry eine neue Trilogie zu verfassen, die einige Jahrzehnte nach „Word&Void“ spielt und von den großen Kriegen und dem Untergang der Welt, wie wir sie kennen, handelt. Diese Trilogie nannte er „Genesis of Shannara“ und die drei Bände erschienen 2006, 2007 und 2008. Natürlich habe ich sie mir damals auch gleich gekauft und gelesen. Da allerdings „Word&Void“ nie als Prequel von Shannara gedacht war (wie Terry selbst in Interviews zugegeben hat), ergaben sich  einige schwere Logikfehler – plötzlich passten viele Erwähnung der großen Kriege in den „Shannara“-Bänden nicht mehr zu dem, was man in den Genesis-Büchern nachlesen konnte. Sehr bedauerlich. Außerdem wertete er damit meiner Meinung nach die gesamte „Word&Void“ Serie ab – die Handlung darin bekommt im Lichte dieser Entwicklung einen fahlen Beigeschmack … all die wunderbaren Ideen zerfließen, da keine davon in der „Shannara“ Serie wieder erwähnt wird (wie zum Beispiel die Ritter des Wortes, Die Lady des Wortes und viele andere Dinge, die in Word&Void“ so wichtig waren … massive Erklärungsprobleme).

Die „Genesis of Shannara“-Bücher reichen bis zu einer Zeit etwa 2000 Jahre vor dem ersten Band der originalen Trilogie (und ca. 1500 Jahre vor „The First King“). Um diese Lücke zu schließen, arbeitet Terry an einer neuen Serie namens „Legends of Shanna“, deren erster Band eben am 04.05.2011 von Amazon geliefert wurde (ok, das Buch erschien schon im August 2010, aber vorher hatte ich es als E-Book, deshalb wartete ich mit der Printausgabe ein Jahr). Der nächste Band und gleichzeitig der Abschluss (ja, diesmal nur eine Duologie) wird wohl noch im August 2011 erscheinen. Damit befinden wir uns von der Historie her nur mehr ca. 1500 Jahre vor den Geschehnissen der ersten Trilogie (und 1000 Jahre vor „The First King). 

Der alternde Shannara-Fan fragt sich jetzt natürlich, wann bitteschön was Neues aus der aktuellen Timeline von Shannara erscheint. Ein mehr oder weniger gelungenes Prequel ist ja nett, aber wie geht es in der Zukunft weiter? Nun, Terry hat eine neue Trilogie versprochen. Der erste Band soll 2012 erscheinen, sieben Jahre nach dem letzten regulären Shannara Roman. Die beiden anderen Bände der Trilogie sind für 2012 und 2014 versprochen – ich bin also sehr gespannt.

Wie ich oben schon erwähnt habe beeinflusste mich die „Shannara“-Serie mehr als die meisten anderen Bücher die ich je gelesen habe (abgesehen von „Lightnings“ und „Midnight“ von Dean Koontz, die ich beide auch 1992 gelesen habe). Das war nicht einfache nur Fantasy mit Massenschlachten, Gnomen, Zwergen und Tollen. Klar, das gab es auch, aber im Grunde ist es eine epische Geschichte die weit darüber hinausgeht. Selbst ohne die Prequels umfasst der Kern von Shannara einen Zeitraum von ca. 520 Jahren (von der ersten Trilogie bis zu „High Druid“) und erzählt die Geschichte der Familie Ohmsford (die letzten Nachfahren des Königsgeschlecht von Shannara) und deren Freunde (wie zum Beispiels des Königshauses von Leah und den Creels). Die Welt entwickelt sich weiter, die Technologie schreitet voran und man hat wirklich das Gefühl, hier wird gelebt, geliebt und, ja, auch gestorben (da so gut wie keine Trilogie direkt im Anschluss an die vorherige spielt, sind die alten Helden meist schon im Rentenalter oder tot, wenn die neuen Helden losziehen). Dazu kommt das Element, dass die Welt von Shannara unsere Zukunft ist, es bereitet ein mulmiges Gefühl, wenn wieder ein Artefakt oder ein Puzzlestück zum Verständnis der Großen Kriege auftaucht. Man fühlt sich irgendwie verbunden. Das ist Fantasy, wie ich sie liebe – kein pseudo-mittelalter als Entschuldigung dafür, dass Damen im Metallbikini Orks abschlachten, sondern eine Welt mit glaubwürdigen Helden, einer spannenden Vergangenheit, über die man nachdenken kann und einer Zukunft, der man entgegenfiebert. Alles ist offen. Wird in dieser Welt jemals wieder die Technologie von vor den Großen Kriegen entdeckt werden oder bleibt diese so tot und vergessen wie jene Menschen die einst in ihnen kämpften? Wird je Frieden herrschen? Wird vielleicht gar die Magie (über welche nur wenige verfügen) irgendwann das zentrale Element werden.

(HIER KOMMT VIELLEICHT DER EINZIGE WIRKLICHE SPOILER)
Brona/Der Dämonenlord aus den ersten Bänden ist ein Magiebenutzer der, als Druide, sich eigentlich dazu verpflichtete, die alten Wissenschafter wiederzubeleben aber dann stattdessen die Magie entdeckte. Sein Motiv war eigentlich ein Gutes – der Welt zurückgeben was verloren war. Aber auf seinem Weg verliert er sich, wird von alten Artefakten in seinen Bann gezogen und transformiert sich zum ultimativen Feind der freien Rassen. Man kann diesen Brona irgendwie verstehen. Er ist eben nicht nur ein eindimensionaler Bösewicht, der nach absoluter Macht giert. Und wie wird er besiegt? Nicht etwa in einer Schlacht oder durch die Vernichtung seines „Was-auch-immer-ihn-stark-macht“, nein, er wird vernichtet durch die Macht der Wahrheit. Er wird mit dem konfrontiert, was er geworden ist.    
(SPOILER ENDE)

Ich halte „Shannara“ im Vergleich zu „Lord of the Rings“ für überlegen. An LOTR hat mich immer gestört, dass es im Prinzip eine sterbende Welt ist – das Ende eines Zeitalters. Äußerst deprimierend. Die Elfen sind dabei die Welt zu verlassen, die Zwerge haben zwar noch etwas, aber auch ihre Epoche geht zu ende. Was bleibt sind die Menschen – die langweiligste, brutalste und irgendwie unfreundlichste aller Rassen. Es ist kein Geheimnis, dass die Welt von LOTR unsere Welt ist – allerdings in einer fernen Vergangenheit. Die Elfen, die nicht von dieser Welt gehen, verblassen langsam, werden zu Erinnerungen und Sagen ... eben jene, die wir uns heute erzählen. Das ist keine lebendige Welt, es ist der Schwanengesang auf etwas, das einmal war. Sehr lange hat mich dies an Tolkiens großem Werk gestört, ohne, dass ich in der Lage gewesen wäre zu verbalisieren, woran es wirklich liegt – und ich glaube dies ist auch das erste Mal, dass ich es so in dieser Form niederschreibe.

Tolkiens Welt führt nirgendwohin, zumindest nicht in dieser Form. Was gäbe es darüber noch für Geschichten zu erzählen? Die Abenteuer sind bestanden, die Schlachten geschlagen. ALle großen Taten wurden schon begangen. Im Prinzip kann nur noch der Niedergang, das Verschwinden der Zwerge und die langsame Transformation in unsere Welt erfolgen. Das lag wohl auch in Tolkiens Absicht. Er wollte England einen großen Mythos geben, auf Augenhöhe mit den nordischen Sagen. Und genau das ist ihm gelungen. Auch in diesen Sagen sind die Götter in einem Schicksal gefangen, in welchem ihr eigenes Ende schon beschlossene Sache ist.

„Shannara“ hingegen ist unsere Zukunft (abgesehen von den Prequels, die aber meinen Geschmack nie ganz getroffen haben) – eine Welt, die gerade im Werden ist. Die Großen Kriege sind in den Büchern immer noch nicht ganz vergessen, die Welt erholt sich noch von ihnen und alle Türen stehen offen. Im Prinzip lässt sich diese Geschichte in die Ewigkeit hinaus fortführen. Und gleichzeitig gilt sie auch als eine Mahnung (wiederum: die Prequels schwächen diese Mahnung etwas ab, weil die Geschichte der Großen Kriege etwas anders erzählt wird als in regulären „Shannara“ Büchern) was passieren kann, wenn der Mensch zu viel Macht bekommt und diese kalt und gefühllos einsetzt. Die Großen Kriege waren praktisch der Höhepunkt und gleichzeitig Ende der Zivilisation auf Basis moderner Technologie. Ich fand es auch gut, dass Terry sich dafür entschieden hast die Geschichte der Kriege nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Die Bewohner der Welt wissen ziemlich viel über die Vergangenheit und die Fehler der Menschen jener Tage. Wie gesagt – kein generisches Fantasy-Setting. Die Welt von Shannara spielt danach. Eine zweite Chance für die Rassen. Dieser Gedanke hat mich immer beeinflusst. Und die Abenteuer selbst sind sowieso intelligent geschrieben, teilweise witzig (wenn auch in den letzen zwei Trilogien immer düsterer) und spannend. Und wer würde nicht mitfiebern, wenn der Held, welcher gleichzeitig der Ur-ur-ur-Enkel jenes Mannes ist, dessen Abenteuer man schon angespannt verfolgt hat, wieder mal in großen Schwierigkeiten steckt. Fantasy at its best! Es verwundert also nicht, dass Terry Brooks seit 1977 immer wieder als bester lebender Fantasyautor bezeichnet wird. Und die Verkäufe seiner Bücher spreche ohnehin für sich.

Wie ist euere Meinung dazu? Sehr ihr „The Lord of the Rings“ ähnlich wie ich? Oder gibt es andere Meinungen? Würde mich freuen was darüber zu hören.

Montag, 1. August 2011

Was im Chaos geboren


Ich stehe hier und sehe zu, wie der Wirbelwind des Chaos über die Ebene fegt. Weder Tier noch Baum noch Berg vermögen zu bestehen. Eine abgeschliffene, alte Welt bleibt zurück und selbst deren Sonne wirkt zu müde um im sichtbaren Spektrum zu strahlen. Dabei bin ich der einzige feste Punkt in einer Welt, deren Atome sich mit rasender Geschwindigkeit auseinanderbewegen. Dünn und transparent, wie Eisschollen in warmem Wasser. Die Luft, erfüllt vom Tosen des Feuers, dem die Realität anheimfällt, flimmert sich zu Tode. Die Fundamente stehen in Flammen, brüllen ihren Zorn hinaus.  

Und draußen soll kein Frieden sein, zwischen den Sternen. Denn dort ist keine Ruhe. Die Körper schreien auf ihren Bahnen, wie gefallene Engel, ungerecht bestraft von einem Gott, der ihnen nie eine Wahl ließ. Ringe aus Staub klingen wie halb-gefüllte Gläser auf ihren ewigen Bahnen. Doch nichts ist für ewig. Staubwolken stimmen ein in die Kakophonie der Sphären und man müsste taub werden von all dem Lärm. 

Und so stehe ich da, auf dem Dorn, der ragt hinaus ins Schwarz. Und weiß nicht mehr links von rechts zu unterscheiden. Nicht Gut von Böse, nicht Leben von Tod. Und das Universum dehnt sich aus. Jetzt weiß ich, wie es sich fühlt. Ein Mittelpunkt von dem alles strebt hinweg. Nicht wie ein Dieb in der Nacht, sondern wie Antilopen, die vor dem Löwen fliehen, oder Geier vom Kadaver, wenn Du sie in ihrer schaurigen Mahlzeit störst. Mühselig, missmutig, getragen von der Thermik die keine ist. Für diesen Zerfall existiert kein Gesetz. 

Die Savanne. Das perfekte Bild. Rauch, trocken und ein hartes Leben. Und doch der einzigartige Motor. An anderen Orten ist das Leben unbekümmerter, weicher, aber nur was hier seinen Anfang nimmt, kann auch Bestand haben. So lange bis das Chaos seinen Preis fordert.

Wenn alles auseinanderstrebt, die Kugeln sich vom hellen Zentrum rasch entfernen, Monde torkelnd aus ihrer Umlaufbahn trudeln um den Erden entgegenzustürzen, dann endet im Chaos, was im Chaos geboren.

Montag, 25. Juli 2011

Bloggewinnspiel Beendet

Liebe Leserinnen und Leser,

das am 3. Junli gestartete Gewinnspiel, bei dem als Preis das Buch "Die Wonne, die du liebst ..." von Jürgen Kummer ausgeschrieben war, ist abgelaufen und die Gewinnerin steht fest:  

Stefanie B. erhält eine Ausgabe des Buches mit persönlicher Widmung des Autors! Herzlichen Glückwunsch!

Ich möchte allen Teilnehmern ganz herzlich danken und hoffe Ihr seid auch das nächste Mal wieder dabei, wenn es in meinem Blog was zu gewinnen gibt!

Liebe Grüße,
Dan Gerrit

Mittwoch, 20. Juli 2011

Heather Nova "300 Days at Sea" - Eine Rezension


Eine Warnung: Dies ist eine Rezension, die meine persönliche Meinung bezüglich eines musikalischen Werkes widerspiegelt. Es sollte klar sein, dass ich keinerlei Rechte an den erwähnten Inhalten besitze - diese sind den jeweiligen Künstler, Labels oder so vorbehalten. Wer sich schwer mit anderen Meinungen tut oder glaubt, die Wahrheit für sich gepachtet zu haben, sollte an dieser Stelle vielleicht aufhören zu lesen. 

Ich bin ein ziemlich großer Fan von Heather Nova. Kennt die noch wer? Damals, in der zweiten Hälfte der 90er Jahre war sie eine wirklich große Nummer, in den USA und Deutschland sowieso. Wahrscheinlich wäre vieles von dem, was ich damals gemacht habe, völlig anders verlaufen ohne Songs wie „London Rain“, „Walk this world“, „Truth and Bone“ und „Heal“. In meinen großen Online-Rollenspiel-Zeiten (Ultima Online und dann Everquest) lief die gute Dame immer im Hintergrund – quasi ein alternativer Soundtrack. Und das Abitur? Die Nacht davor saß ich Stunden um Stunden vorm Fernseher und habe mir ihre Videos angesehen. Damals gab es noch diese tolle Sendung auf SWR3 (glaube ich – kann aber keinen Eid darauf leisten, da doch schon 13 Jahre vergangen sind und der Menschen vergisst manchmal schrecklich schnell) namens „Extra Spät“. Kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen – eine komplette Sendung in der fast nur Musikvideos liefen. Kein Jersey Shore, keine durch geknallten 16jährigen und ihr Geburtstag der sogar in Sodom und Gomorrha noch ein paar erstaunte Blicke auf sich gezogen hätte – überhaupt nahm die öffentliche Erniedrigung von Menschen im Fernsehen eher eine untergeordnete Rolle ein in jenen Tagen (abgesehen von ein paar Volksmusiksendungen aber davon wollen wir jetzt nicht reden). Also saß ich vor dem Fernseher, irgendwie total nervös, eine ungewissen Zukunft im Nebel und ließ mich von Heather beruhigen. Noch heute tragen mich ihre Worte durch so manche Nacht: 

And when somebody knows you well
Well there's no comfort like that
And when somebody needs you
Well there's no drug Iike that

Vor Kurzem erschien ihr neues Album “300 Days At Sea”. Da die letzten Scheiben es einfach nicht mehr ganz schafften, mich so zu berühren wie „Oyster“ (1994) und „Siren“ (1998), sollte meine Skepsis verständlich sein. Gekauft habe ich die neue CD natürlich trotzdem. Und ich muss sagen: Von Enttäuschung diesmal keine Spur. 

Für mich war Heather immer etwas Besonderes weil sie das spezielle Kunststück schaffte, die bedeutungsvollen, manchmal brutal ehrlichen Texte einer Indie-Produktion mit den eingängigen Melodien von Mainstream-Pop zu koppeln (aber ohne so glatt und überproduziert zu wirken wie diese). Dabei wirkte sie nie irgendwie gekünstelt, durch produziert und zu sehr gewollt. Andere habe das auch versucht. Liz Phair zum Beispiel. Aber sie schaffte eigentlich immer nur das eine oder das andere. Hatte sie eine eingängige Melodie, dann blieb der Text trivial und bekam sie einen spannenden Text zusammen, passte die Melodie nicht so ganz. Eine andere große Künstlerin, Tori Amos, bekam das Kunststück in recht beeindruckender Weise hin. Vor allem in ihrer „Little Earthquakes“ und „Under The Pink“ Phase in der ersten Hälfte der 90er. Heather machte meistens Musik bei der man das Licht aus- und ne Kerze anmachen konnte. Ihre Art zu singen ist ehrlich und natürlich. Einer der Gründe warum ich mit den meisten aktuellen Sängerinnern, vor allem R’n’B, wenig anfangen kann ist, dass diese sehr gekünstelt singen – meist mit Autotune (oh Du verfluchtes Autotune … und wir haben uns an die unnatürlichen Slides in der Stimme schon so gewöhnt, dass wir bald denken, das müsste so klingen) und diesem Powergesang verhaftet (meiner Ansicht nach ein Werk des Teufels!) – bin ich seltsam, wenn ich nicht drauf stehe, dass eine Frau klingt, als hätte sie schwere Atemprobleme und/oder einen Orgasmus? Innerhalb weniger Sekunden drei Oktaven rauf und runter rutschen zu können mag ein Beweis für deren Stimmumfang sein (und für die Aufnahmeprüfung an der Musikhochschule durchaus geeignet) aber prickelnd finde ich es nicht (siehe Mariah Carey und Whitney Houston). Und Leute wie Rhianna, Toni Braxton oder wie sie noch so heißen sind mir musikalisch zu unpersönlich (sind halt keine Singer-Songwriter) und/oder bemühen sich zu sehr einem marketingtechnisch durchgeplanten Image zu folgen (Gwen Stefani, Christina Aguilera). 

Aber genug davon – schauen wir uns lieber Heathers neues Kunstwerk an. Schon das Cover finde ich wundervoll – sie sitzt in einem Boot (sieht ein bisschen wie ein Kajak aus, aber ich hab da wirkliche keine Ahnung von) und ein kleiner Hund blickt keck auf das Meer hinaus. Sie bleibt also diesmal ihrem bevorzugten Thema treu: Dem Meer. Verwundert auch nicht, schließlich hat sie den größten Teil ihrer Kindheit auf einem Boot mit ihren Eltern und Geschwistern verbracht. Das prägt. Das Thema ging mir ja in den letzten Jahren etwas ab.  

Hier ein kurzer Überblick der Songs:

1. Beautiful Ride: Passt sehr gut als Opener. Ein etwas schnellerer Song (wie ich ihn auf den letzten 3 CDs eher vermisst habe). Inhaltlich handelt er von der Erkenntnis, dass dieses Leben im Prinzip ziemlich gut ist und man es genießen sollte so lange es dauert.
2. Higher Ground: Gehört definitiv zu meinen liebsten Songs auf der CD. Auch wieder eine etwas schnellere Nummer. Es geht darum, was man für Menschen die man liebt tun würde und weas das aus einem macht. Ob sie von ihrem Sohn oder ihrem Mann singt bleibt der Fantasie des Zuhörers überlassen.
3. Stop the Fire: Ich bin mir nicht sicher, ob ich dieses Lied wirklich verstehe. Je nachdem in welcher Stimmung ich bin passt es oder fühlt sich mehr wie ein Lückenfüller an. Eines der wenigen Lieder die auf jeden Fall mit Regelmäßigkeit übersprungen werden.
4. Save a little Piece of Tomorrow: Eine Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, der Zeit, die nicht mehr ist. Im Grunde ganz nett aber nichts Besonderes.  
5. Everything Changes: Oh ja, sie hat es definitiv noch drauf. Dieser Song ist herrlich düster, mehrdeutig und getränkt mit Teenage Angst. Wahrscheinlich das von mir am meisten gehörte Lied auf der CD.
6. Do Something that Scares You: Nette Botschaft, ist aber mehr Spoken Word und nicht so mein Ding. Vernachlässigbar.
7. The Good Ship „Moon“: Wahrscheinlich das komplexeste Lied auf der ganzen CD und man müsste wohl Heather selber fragen was der Text genau bedeutet. Die Melodie ist schwer, langsam und irgendwie schön. Der Text beginnt mit dem Schiff „Moon“, welches man sinken ließ und befasst sich dann mit den daraus resultierenden Gefühlen. Das Schiff als Metapher (oder tatsächlich als) Heimat, welche nicht mehr existiert. Aber die Erinnerung ist noch da. Die Vergangenheit ist ebenso unerreichbar wie das Schiff unter den Wellen. Wäre es nicht schön den Atem anhalten zu können und einfach hinab zu sinken? Und was hat es mit den Stücken der Kindheit auf sich, den Gefühlen, die man so gerne noch einmal erleben würde? Auch etwas, was man mit 20 vielleicht noch nicht so verstehen kann – dazu musste sie erst über 40 werden.     
8. Turn the Compass Round: Ein klassisches Beispiel für die reifere Heather Nova. Irgendwann im Leben ist der Punkt erreicht, an dem man genug über die Welt gewandert ist und zurück in den Hafen will, dort wo man herkommt, „home“ halt. Finde das auch sehr interessant im Zusammenhang mit dem 13 Jahre alten Song „Walk this World“ auf „Siren“ … man hat fast das Gefühl diese beiden Lieder stellen einen Dialog dar zwischen Heather der Jüngeren und Heather der Älteren. Wenn es so gedacht war, dann ziehe ich meinen Hut vor dieser Künstlerin. Und wenn nicht … ist es trotzdem noch toll!
9. Burning to Love: Ok, dieser Track ist nett. Aber mehr nicht. Die Botschaft – Wir alle brauchen Liebe, brennen danach. Recht trivial. Kann man locker überspringen.
10. I’d Rather Be: Vom Stil her das auffälligste Stück. Beschwingt, beinahe schon fröhlich. Heather zelebriert sich selbst und scheint Spaß dabei zu haben. Finde ich gut.
11. Until the Race is Run: Ich mag dieses Lied. Die Botschaft könnte nicht einfacher sein – Es ist nicht vorbei, solange es nicht vorbei ist. Und während noch Leben in diesem Körper steckt, wird gekämpft und weitergemacht. Und auch wenn wir es am Ende nicht schaffen, dann gehen wir wenigstens hoch erhobenen Hauptes raus. Auch einer der Songs, in dem sich Heather durchaus verletzlich und unsicher zeigt. Ein ehrliches Stück Musik, das sich am Ende zu einem richtig epischen Kracher steigert bei dem ich mir persönlich wünsche er würde nie enden.
12. Stay: Ein Top-Favorit und ein gutes Beispiel für Heathers Talent bedeutungsvolle Texte mit eingängigen Melodien zu paaren. Extrem dichte Atmosphäre, sehr simpel eigentlich mit einer traurig weinenden Geige und einem wunderschönen Text. Spricht extrem den Romantiker in mir an. „This is what I want, nothing more“ … Stimmt.  

Was beim durchhören auffällt ist, dass Heather merklich älter und auch reifer geworden ist. Ihre Lieder handeln viel weniger als früher noch von der Suche nach einem Weg durch und einen Sinn im Leben sondern vielmehr davon das, was man hat, zu schätzen, einem schützenden Hafen und auch die Rückkehr zu einem solchen. Hat sie aufgehört nach vorne zu blicken? Das glaube ich nicht und ein Lied wie „Until the Race is Run“ widersprechen dieser Theorie … aber sie hat definitiv ihren Platz im Leben gefunden und scheint recht zufrieden damit. Man sollte mich jetzt hier nicht falsch verstehen: „300 Days At Sea“ ist kein zweites „Siren“ und schon gar kein neues „Oyster“. Ihre Kanten und Ecken haben definitiv an Schärfe verloren – die harten Nummern sind weicher und die Balladen süßlicher. Eine Dynamik wie in „Throwing Fire at the Sun“ oder „Blood of Me“ findet man noch hier und da aber definitiv abgeschwächt. Auch fehlt den Texten hier und da mal die Härte und Hintergründigkeit der frühen Werke. Aber ich denke das ist ein natürlicher Prozess der bei den meisten Songwritern stattfindet … der Alltag holt alle irgendwann ein. Oder bin ich einfach älter geworden?

Fazit: Ich kann „300 Days At Sea“ nur wärmstens empfehlen. Dies ist das Album, auf welches ich seit „Siren“, und das ist immerhin 13 Jahre her, gewartet habe. Wenn sie diese Scheibe 2000, als Nachfolger von „Siren“, veröffentlicht hätte, wäre Heather heute wohl der Superstar, für den ich sie immer hielt und noch halte. Wer Heather Nova noch nicht kennt, sollte vielleicht eher mit „Oyster“ beginnen und sich dann zu „Siren“ hinarbeiten – das sind die die Werke, für die man sich an Frau Nova erinnern wird. Aber jeder Fan, wie ich, der nach so vielen Jahren immer noch darauf hofft, Musik von ähnlichem Kaliber nachgereicht zu bekommen, wird nicht enttäuscht sein. Da sieht man auch gerne über etwas „Füllmaterial“ hinweg“.   

Anspieltipps für Unentschlossene: Higher Ground, Everything Changes, Until the Race is Run und Stay

Montag, 4. Juli 2011

Verschollene Werke oder Warum ich früher viel genialer war


Wie immer ein Wort der Warnung: In letzter Zeit klinge ich immer häufiger in erschreckender Weise wie ein alter Mann. Woher das kommt? Entweder ich werde wirklich und wahrhaftig alt oder aber der Sommer und die Umstände tun mir nicht gut. Der folgende Text ist meine persönliche Meinung und ergibt sich streng logisch aus meinen Lebenserfahrungen. Ich gestehe aber freimütig ein, dass ich, wie alle anderen auch, nur eine subjektive Meinung habe und von der Wahrheit rein gar nichts weiß. So, wer jetzt immer noch lesen mag kann das tun.

"Die besten Texte sind ja immer jene, die man nicht geschrieben hat."  Keine Ahnung, wo ich das mal gehört habe, aber irgendwie macht es Sinn. Jeder geschriebene Text kann und wird auch Fehler enthalten, Unschärfen, die einfach der simplen Tatsache geschuldet sind, dass wir mit der Sprache nur ein sehr grobes Werkzeug zur Hand haben. Sehen wir die Gedanken als Skalpell, so ist die realisierte Sprache der Holzhammer. Klar kann der Job damit auch erledigt werde, aber nur mit massiven Kollateralschäden. 

Wenn nun die niemals geschriebenen Texte die Besten sind, dann nehmen die Verschollenen auf jeden Fall einen guten zweiten Platz ein. Kennt Ihr das mit den verschollenen Werken? Also ich war ja in meiner Anfangszeit recht gedankenlos, wenn es um die Verteilung meiner Worte und Gedanken ging. So zwischen dem zwölften und zwanzigstem Lebensjahr habe ich so gut wie alle Texte, oftmals im handgeschriebenen Original, herumgereicht und vieles davon, wenn nicht sogar das Meiste, kam einfach nicht mehr zurück.

Warum habe ich das getan? Nun ja, das Schreiben war nie etwas Besonderes für mich, ich hab’s getan weil ich es konnte und der Akt des Fantasierens und Schreibens mir enormen Spaß gemacht hat. Die Texte wurde in dem Moment uninteressant, in dem sie meine Feder (oder mit der Zeit immer häufiger: meine Tastatur) verließen. Alles was danach kam schien irgendwie lästig und von geringerem Wert zu sein. Schon alleine der Gedanke sich mit Verlegern, Agenten, Zeitungsmenschen oder Kritikern herumzuschlagen schien absurd, nutzlos und schlichtweg erschöpfend – also habe ich es gelassen und die Texte so an meine Umwelt weitergegeben, direkt und ohne Rückfahrkarte. Ok, ich habe nie gesagt „komm, behalte es“ aber auch nie sonderlich aufmerksam Buch darüber geführt, wer gerade was liest.

Wie gesagt, das meiste davon ist futsch und wird auch nie mehr wieder auftauchen. An den Großteil dieser Frühwerke kann ich mich nur mehr sehr nebulös erinnern, wie an eine Geschichte man mal gelesen hat, aber nicht mehr genau weiß, worum es im Kern ging oder was am Ende bei rauskam. Manchmal denke ich an die Texte und hätte sie gerne wieder. Sind ja auch irgendwie Teil meiner Vergangenheit. Und dann, wenn mir wieder so ein Geistesblitz kommt und mir einfällt, worum es im Groben bei einer dieser Geschichten ging, überkommt mich das Gefühl, ein Meisterwerk verloren zu haben. Das Gemeine daran ist, dass man dieses Gefühl nicht wiederlegen kann.  Wie auch? Die Grundlage der Vermutung ist ja weg. Verloren. Auf immer dem Orkus übergeben. Dieses Gefühl der Großartigkeit des Geschreibsels nimmt proportional zu der Zeit zu, die vergangen ist, seit ich das Zeug zum letzten Mal in Händen hielt. Vielleicht ist dieser Gedanke der Schlüssel zur Lösung des Rätsels, warum die verschollenen Werke so verdammt gut und eigentlich viel besser als alles Aktuelle waren. Mit den Jahren verblasst all der Müll, der Ärger über verpatzte Sätze und unglückliche Formulierung, der Groll gegen die eigene Fantasie, die einfach nicht so will wie man das gerne hätte. Was zurückbleibt ist die Erinnerung an das Gefühl zu Schreiben, dieses leichte Schweben im Schaffensprozess, eingedenk der Tatsache, dass man etwas völlig Neues schafft, das in exakt dieser Form noch nie da war. Die simple Tatsache eines kritischen Lesedurchganges oder gar eines Lektorats könnte dieses Gefühl recht schnell auf den harten Boden des literarischen Alltags zurück holen – aber das geht ja mit den verschollenen Werken nicht mehr. Also werden sie in der Erinnerung auf ein Podest gestellt und können dort leuchten so hell sie wollen, es wir nie jemand prüfen kommen ob da wirklich eine 100 Watt oder doch nur eine 10 Watt Lampe drin steckt.

Manchmal, wenn ich alte Sachen hervorkrame, die noch existieren, bin ich ja ein wenig enttäuscht. Ich hätte mir mehr erwartet. Irgendwie wirkt der Stil unausgereift, Spuren von pubertärem Humor schlummern zwischen den Zeilen wie altes Konfetti von 1999 im Handschuhfach Deines Wagens. Das Gesamtbild ist einfach nicht mehr stimmig. Unterm Strich: Irgendwas ist in der Zwischenzeit passiert … mit etwas Glück was es ein Reifungsprozess. Oder einfach nur Alterung. Wahrscheinlich würde es mir mit den verschollenen Geschichten ähnlich gehen, hielte ich sie wieder in Händen. Vielleicht aber auch nicht. Und dieser Restzweifel nagt. Aber jetzt mal ehrlich – sind nicht die meisten Texte, die man über die Zeit hinweg, vor allem in den ersten zwei bis drei Lebensjahrzenten, verfasst, nur Fingerübungen die uns schleifen und formen sollen? Bis zu dem Punkt, an dem wir wirklich unser Magnum Opus zu erschaffen im Stande sind. Heute werden ja absurde Anstrengungen betrieben möglichst junge und immer jüngere Talente zu entdecken. Die meisten Schreibenden, die ihre ganz alten, vielleicht sogar ihre frühesten Werke, hervorholen, werden sich einig sein, dass sie damals einfach noch nicht „bereit“ waren. Also was genau tun wir da heute? In einer Lokalzeitung liefen vor kurzem über einige Monate doppelseitige Berichte über lokale „Literaturtalente“. Teilnahmebedingung war wohl, dass sie nicht älter als sechzehn sein durften, viele davon sogar erst zwölf oder dreizehn. Damit will ich keineswegs sagen, dass jemand mit zwölf Jahren nicht wunderbare Werke zu Papier zaubern könnte. Klar wird es das geben. Aber ich glaube auch, dass hier potentielle Talente, die vielleicht zu großen Schriftstellern heranreifen könnten, kommerziell verbraten werden, bevor sie je Zeit hatten zum Besten Schreiber zu werden, der sie sein hätten können. Aber was oll ich sagen? Nach den "instant Stars" in der Musik (die in eben dieser Instant auch wieder weg sind) kommen jetzt vielleicht die Schriftsteller dran. Zugegeben, wenn ich an meine frühesten Werke denke, ergebe ich mich manchmal ebenfalls der Fantasie, ich hätte schon mit zwölf an meinem großen Durchbruch gearbeitet. Dann wäre ich „ganz sicher“ mit sechzehn ein internationaler Superstar der Literatur geworden. Aber im Grunde ist es so: Meine verschollenen Werke waren wohl wirklich nicht so herausragend und es wird wohl seinen Grund haben, dass sie verschwunden sind. Endgültig. Jahre sind vergangen. Und ich bin dadurch hoffentlich zu einem besseren Schreibenden geworden, als ich es damals war.
Trotzdem, ein paar der alten Ideen hätte ich gerne wieder.

Wie geht es Euch mit der Sache? Kennt Ihr die Thematik? Habt Ihr vielleicht sogar selber etwas Ähnliches erlebt? Bin wirklich sehr neugierig, ob sich wer traut bzw. Lust hat seine/ihre Meinung kund zu tun!     

Sonntag, 3. Juli 2011

Bloggewinnspiel: "Die Wonne, die Du liebst ..."

Ich bin’s mal wieder, diesmal mit einer ganz besonderes Überraschung: Es gibt etwas zu gewinnen!!!

Ihr könnt das Buch "Die Wonne, die du liebst ..." von Jürgen Kummer mit persönlicher Widmung des Autors gewinnen! Mit 720 Seiten ist es wahrlich kein Leichtgewicht und wirklich schön aufgemacht als Hardcover und mit einem tollen Glossar der handelnden Personen hinten im Buch. Ein Werk voller Fantasie, Humor und Esprit!

„Die Wonne, die du liebst...“ ist ein Märchen für Erwachsene, die das Staunen noch nicht verlernt und ihre Fantasie noch nicht verloren haben (aber es ist definitiv KEIN Jugendbuch).
Das Buch entführt seine Leser auf den 258 Lichtjahre von uns entfernten Planeten Massurgo, in die Welt der Wonnewusel und stürzt sie in eine turbulente Reise durch Zeit und Raum, voller skurriler und liebenswerter Gestalten mit grünem Fell und riesigen Nasen. Regiert von ihrem allseits beliebten Wonnarchen, Kingsize XIV, führen die Wonnewusel ein Dasein in Müßiggang und Zufriedenheit."

Wer jetzt neugierig geworden ist und die Chance nutzen möchte eine Ausgabe zu gewinnen sollte jetzt ganz genau aufpassen.

 Unsere Gewinnspiel-Frage lautet: Auf welchem Planeten leben die Wonnewusel?

 WICHTIG: Die richtige Antwort sendet Ihr bitte bis zum 24.07.2011 an Dan.Gerrit.vm@gmx.de



Amazon: http://tinyurl.com/3ft8dmn


Beschreibung:
"Die Wonne, die Du liebst..." ist eine turbulente Reise durch Zeit und Raum, voller skurriler und liebenswerter Gestalten mit grünem Fell und riesigen Nasen. Obwohl die tapferen Zeitreisenden ständig in abenteuerliche Situationen geraten, vergessen sie nie, angemessen und opulent zu speisen. Die Wonne, die Du liebst... ist ein phantastischer Roman, jenseits aller Klischees von SF und Fantasy. Er entführt den Leser auf den 258 Lichtjahre von uns entfernten Planeten Massurgo, in die Welt der Wonnewusel. Regiert von ihrem allzeit beliebten Wonnarchen, Kingsize XIV, führen die Bewohner Massurgos ein Dasein in Müßiggang und Zufriedenheit, bis zu jenem schicksalhaften Tag, als es dem Forscher Krai Oftschoi gelingt, in die Zeit zu reisen. Krais Tochter Song überredet den verliebten Catering-Novizen Wonnefried, sich ebenfalls in die Abgründe der Zeit zu stürzen, um ihren Vater zurück zu holen. Die Zeitreisenden landen in der hochtechnisierten Gesellschaft ihrer Ahnen. Sie geraten alsbald in die Fänge des Ministeriums für Planetare Angelegenheiten (MPA) und zwischen sämtliche Fronten. Dabei werden sie Zeugen des ersten Raumfluges ihrer Vorfahren, der mit einem sensationellen Fund endet. Doch wie sollen sie es schaffen, dieses dunkle Zeitalter wieder zu verlassen? In ihrer ausweglos scheinenden Situation kommt ihnen Vickerma, ein tapferer Pilot der Luftflotte Seiner Wonne zu Hilfe. Die Dämonen der Vergangenheit lassen sich jedoch nicht so leicht abschütteln... Begleiten Sie die Cateringkarawanen der Wonnewusel auf ihren Wanderungen durch die Wälder Massurgos. Erleben Sie gefährliche Groompfhatzen und rauschende Feste am Hof seiner Wonne, Kingsize XIV. Reisen Sie auf einem Chronohupf in die Abgründe der Zeit und vergessen Sie einfach für eine Weile die Welt, in der wir leben.