Sonntag, 3. Juli 2011

Vampire Magic Magazin Themenheft

Liebe Leser,
es ist soweit, das neue Themenheft des Vampire Magic Magazins "Federn der Verführung" ist online! Das sind rund 50 Seiten Kurzgeschichten, Leseproben, Interviews und vieles mehr. Für alle "Freunde der Dunkelheit" auf jeden Fall ein Muss. Mit dabei sind Buchvorstellungen von Inka Loreen Minden, Emilia Jones, Moni de Giorgi, Jennifer Schreiner und Roy Francis Ley. Natürlich gibt es auch die Möglichkeit zwei signierte Bücher zu beginnen. Na, schon neugierig?

So schaut das Cover aus:



Und gibt es das ganze?

Hier: SCRIBD 

Viel Spaß damit :)

Samstag, 2. Juli 2011

Rezension: Alexandre. Band 1. Der Beginn

Vor Kurzem habe ich wieder ein Buch gelesen, von dem ich Euch unbedingt erzählen muss. Dabei handelt es sich um „Alexandre – Band 1. Der Beginn“ von Marcel Saint Julien. Der eine oder die andere von Euch wird mit dem Namen schon vertraut sein, schließlich ist er in der jungen Literaturszene kein Unbekannter mehr.
Gleich im Vorfeld möchte ich erwähnen, dass es sich, wie schon bei meiner letzten Buchrezension, um einen Vampirroman handelt – allerdings keinen reinrassigen, es kommen auch Werwölfe sehr prominent drin vor. Im Grunde bin ich ein großer Fan der (alten) „World of Darkness“ (Rollenspielfans werden wissen was ich meine) und kann daher der Thematik Vampire vs. Werwölfe sehr viel abgewinnen. Underworld war jetzt nicht so der Bringer aber na ja, ein paar Fehlgriffe gibt es immer.

Aber jetzt mal los zur Rezension. Seid Ihr bereit? Sehr gut!

So sieht das Cover aus:



Man sagt ja, dass ein Buch nicht nach seinem Cover bewertet werde soll. Halte ich persönlich für Quatsch. Als ich angefangen habe mir eigene Bücher zu kaufen hielt grundsätzlich das Cover als Kaufargument her und ich bin damit so gut wie nie falsch gelegen. Die „Shannara“ Serie von Terry Brooks kam so in mein Regal, ebenso „Schutzengel“ und „Mitternacht“ von Dean Koontz. Wenn das keine schlagkräftigen Argumente für den Kauf nach Cover sind, dann weiß ich auch nicht. „Alexandre“ gehört zu den Büchern bei denen ich schon alleine vom Umschlag her zugreifen würde. Das Bild wirkt herrlich düster, anziehend und vielversprechend – ich meine, jetzt mal ehrlich – sieht dieser Alexandre auf dem Bild nicht genauso aus wie jemand mit dem man befreundet sein möchte? Laut den mir vorliegenden Angaben stammt das Bild von Hannes Gerwers und die Coverbearbeitung von Anna Kery. Kann den beiden nur meinen Respekt zollen, da wurde ein richtiger Blickfänger geschaffen.

Ein paar Eckdaten zum Buch (Quelle: Amazon.de):

Autor: Marcel Saint Julien
Titel: „Alexandre. Band 1. Der Beginn“
Genre: Vampir-Werwolf Crossover Fantasy/Mystery
Auflage: Neuauflage 2010
Umfang: 302 Seiten
Verlag: NOEL
ISBN-10: 3940209910

Das Wichtigste an einem Buch ist natürlich der Inhalt. Das Coverbild kann noch so toll sein, wenn man die Seiten aufschlägt und nicht hineingezogen wird taugt das Werk einfach nichts. Daher hier die Kurzbeschreibung von Amazon.de:

"Alexandre - Der Beginn" Zufällig treffen der Vampir Alexandre und der Werwolf Kilian auf einer Kirmes aufeinander. Alexandre weiß zuerst nicht, auf was für ein Wesen er sich hier einlässt. Doch nachdem er Kilian das Leben gerettet hat, scheint ihr Schicksal untrennbar miteinander verschmolzen zu sein. Obwohl sie verfeindet sein sollten, begeben sie sich auf eine Reise voller Hindernisse, um Alexandres Familie zu finden. Doch der größte Feind scheint nicht die Gesellschaft zu sein, die ihre Freundschaft verachtet, sondern die Differenzen in ihren Köpfen. Wie kann der anmutige Alexandre mit dem ungehobelten und tollpatschigen Kilian klarkommen?“


Zur Geschichte:

Der Hauptcharakter und Namensgeber des Buches ist Alexandre, ein Vampir. Äußerlich 18, lebt er aber doch schon 34 Jahre. Im Grunde seines Herzens ist Alexandre eine einsame Gestalt, die ihre Familie verlassen hat (zu deren Schutz) als er zum Vampir wurde und seitdem mehr oder weniger abgeschieden von den Menschen lebt. Erschwerend kommt hinzu, dass Alexandre darunter leidet, dass sein Vater irgendwann in seiner Vergangenheit spurlos verschwand, ein Trauma, von dem ihn auch die Existenz in ewiger Nacht nicht zu heilen vermochte. Dennoch hat er seine drei treuen Begleiter: die Ratte Jimmy, Max den Raben und Niege, den Albino Python. Zu Beginn der Geschichte lebt Alexandre in einer Gruft auf einem alten, verlassenen Friedhof wo er unter anderem die längst in Vergessenheit geratenen Gräber pflegt. Unter Menschen geht er nur um zu trinken oder wenn er sonst etwas dringend braucht.
Die Geschichte beginnt damit, dass der Protagonist einen Jahrmarkt besucht um seinen Durst zu stillen. Dort begegnet er zum ersten Mal Kilian, dem zweiten Hauptdarsteller der Geschichte. Zwischen den beiden entsteht augenblicklich so etwas wie eine Verbindung, eine subtile Zuneigung die man als Leser intuitiv erahnt – eine Leistung für die dem Autor Respekt gebührt. Was Alexandre nicht weiß ist: Kilian ist ein Werwolf, der in seiner verwandelten Wolfsform von einem feisten Schaubudenbesitzer namens Heinrich vorgeführt und ausgenutzt wird. Heinrich ist in der Tat der prototypische, schmierige Menschenschinder und so herrlich hassenswert angelegt wie das nur möglich ist. Der junge Mann weiß so gut wie nichts über seine Vergangenheit, nur, dass ihn Heinrich großgezogen hat und er nie ein anderes Leben kannte.
Bei ihrer ersten Begegnung ahnt aber Alexandre von all dem noch nichts und als er getrunken hat, kehrt er wieder in seine Gruft zurück. Dort weist ihn eine Vision darauf hin, dass seine Mutter und sein Bruder, die er beide viele Jahre nicht mehr gesehen hat, in Schwierigkeiten stecken.
Schon am nächsten Abend, als Alexandre sich auf macht, das Nötige für seine Reise zu besorgen, begegnet er Kilian erneut. Der Werwolf mit seinen feinen Sinnen weiß, dass er ein Wesen der Nacht vor sich hat, jedoch packt ihn nicht die Furcht – nein - er ist neugierig mehr über Alexandre zu erfahren. Dummerweise nimmt Kilian jedoch an, dass Alexandre ebenfalls spürt, dass sein gegenüber ein Fabelwesen ist. So kommt es zwischen den beiden zu einem sehr seltsamen Gespräch, in dessen Verlauf sie häufig aneinander vorbeireden. Ohne übereinander schlauer geworden zu sein trennen sie sich wieder. Kilian überlässt Alexandre allerdings eine Eintrittskarte zum Jahrmarkt. Auf Grund seiner besonderen vampirischen Kräfte hat Alexandre nun über dieses Geschenk eine übernatürliche zu Kilian.
Alexandre kontaktiert Paul, einen alten, mächtigen Vampir der ebenfalls sein Mentor ist. Das Treffen der beiden wird jedoch gestört, als Alexandre einen übernatürlichen Hilferuf von Kilian erhält. Dieser wurde von Heinrich in einen Hinterhalt gelockt. Offensichtlich will dieser den Werwolf, den er für ein verabscheuungswürdiges Monster hält, endgültig beseitigen. Alexandre und Paul kommen dem Bedrängten zu Hilfe, jedoch wird Kilian vorher überwältigt und mit einer Silberkugel lebensgefährlich verletzt. In diesem Moment wird klar wie viel Alexandre für Kilian, der eigentlich noch ein Unbekannter ist, empfindet. Er lässt ihn nicht sterben sondern gibt ihm etwas von seinem Blut zu trinken und leitet damit dessen Verwandlung zum Vampir ein, noch immer nichts ahnend, dass dieser ein Werwolf ist.
Gemeinsam bringen Paul und Alexandre den bewusstlosen Kilian in die Gruft. Der ältere Vampir ist grundsätzlich nicht sehr erbaut über diese Entwicklung. Es herrscht eine Art Fehde zwischen Vampire und Werwölfen und er traut Kilian nicht. Er ist es auch,  der den jungen Mann darauf hinweist, dass Alexandre von dessen Wolfsnatur nichts ahnt. Dass sich eine solche Tatsache aber nicht ewig verbergen lässt ist auch klar und schon bald erfährt Alexandra wer oder was Kilian wirklich ist. Von diesem Moment an ist der Vampir hin du her gerissen zwischen seiner Zuneigung für den Werwolf und der Unsicherheit bezüglich der Schwierigkeiten, die er sich mit ihm einhandeln könnte – schließlich sind Vampire und Werwölfe nicht gerade Freunde.
Es sind gleichzeitig die tragischsten und lustigsten Momente des Romans, wenn sich die beiden versuchen auf einen Modus Operandi zu einigen, auf eine gemeinsame Basis. Beide aber wissen, dass zwischen ihnen eine Verbindung besteht, eine Art natürliche Zuneigung. Einfach zum Wegkugeln vor Lachen ist jene Szene, in der Alexandre Kilian auf seinen etwas mangelhaften hygienischen Zustand hinweist und dieser wütend davonstapft um sich zu waschen – was dann folgt ist einfach nur herrlich. Grummeliger Werwolf + alter Brunnen = Großes Kino. Eine weitere göttliche Szene ergibt sich, als Kilian unbedingt den Sargdeckel des schlafenden Alexandres öffnen will – eine Tat die ihm explizit verboten war. Den darauf folgenden Angriff der drei Begleiter Alexandres auf den völlig überraschten Werwolf muss man einfach gelesen haben. Und auch wenn es mich in den Fingern juckt. werde hierzu nicht mehr schreiben, schließlich will ich euch den Spaß nicht verderben.
Im Laufe der Geschichte festigt sich die Freundschaft zwischen beiden, auch wenn eine gewisse Spannung bleibt.
Gemeinsam mit Alexandre entwickelt Kilian den Plan seinen Peiniger, Heinrich, zu stellen und in Erfahrung zu bringen, warum ihn dieser töten wollte. In Folge nimmt die Geschichte eine düstere Wendung. Schnell wird klar, dass der feige Heinrich nicht alleine handelt, es stehen noch andere Mächte im Hintergrund. Bei der Konfrontation erscheint ein weiterer Vampir, entschlossen Kilian zu töten. Mit Alexandres Hilfe gelingt es Kilian aber den Angreifer zu schlagen und dessen untotes Dasein zu beenden. Dummerweise handelt es sich beim Angreifer aber um ein hochrangiges Mitglied der Vampirgesellschaft, so dass dem ungleichen Team keine andere Möglichkeit als die Flucht bleibt, zumal in der Folge auch Kilian ein Kopfgeld ausgesetzt wird. Zu allem Überfluss macht sich der jugendliche Werwolf große Vorwürfe – er hat nicht nur sich, sondern auch Alexandre, in große Schwierigketen gebracht und aus seiner Sicht ist auch ein Mord an einem Vampir ein Mord. Paul stellt den beiden den mysteriösen Jungen Leander zur Seite, einen gehörlosen und stummen Sterblichen, der aber erstaunlich viel über die Welt der Fabelwesen weiß. Gemeinsam treten sie die Flucht an. Ist es zu Beginn nur Kilians Gewissen, das auch eine harte Probe gestellt wird muss auch Alexandre schon bald mit einer ähnlichen Last „leben“: Er begeht beim Trinken einen Fehler und tötet dabei einen Menschen. Die Situation wirkt düster und ausweglos.
Natürlich werden die Protagonisten von Vampiren verfolgt und es kommt zu einer Schlacht gegen Vampire in der Alexandre und Kilian Rücken-an-Rücken kämpfen, deren Ausgang den Leser aber zittern lässt vor Schreck und Überraschung.
An dieser Stelle möchte ich meine Schilderung der Handlung auch beenden, da ich dem potentiellen „Alexandre“-Fan sonst noch einige extrem spannende und überraschende Textstellen sowie Wendungen verraten würde. Auf jeden Fall erfahren wir mehr über Alexandres Vergangenheit und auch Kilian ist nicht wirklich das, wofür man ihn am Anfang er Geschichte hält – es stellt sich heraus, dass er etwas ganz Besonderes ist. Und es wartet ein unglaublicher Verrat, dessen Ausgang einem die Tränen in die Augen treibt.

Meine Meinung:

Ich muss zugeben, dass mir das Lesen enorm viel Spaß gemacht hat. Die Geschichte beginnt ohne Umschweife mit sehr viel Tempo und spannende Momente lauern an allen Ecken und Enden. Wirkliche Highlights sind jedoch immer wieder die witzigen Episoden in der Geschichte, die zumeist auf Kilians Kosten gehen. Der ungestüme Werwolf, der mich manchmal an einen großen, tollpatschigen Hund erinnert, der seine eigene Stärke kaum einschätzen kann, ist einfach köstlich.
Man sollte jetzt aber keineswegs glauben die Geschichte sei eine platte Actionstory mit etwas Witz (quasi „Die Hard“ mit Werwölfen und Vampiren). Die Figur des Alexandre ist in sich tief tragisch. Ein Verlorener in dieser Welt, der eigentlich keine wirklichen Beziehungen hat. In das Vampirdasein geworfen ohne zu wissen warum, muss er schon als Heranwachsender seiner Familie verlassen. Davor das Trauma seinen geliebten Vater zu verlieren. Seine innere Einsamkeit zu Beginn der Geschichte ist schier unbeschreiblich – und wird trefflich auf der Kirmes in Szene gesetzt. Er ist ein Gestrandeter aus einer anderen Zeit, umgeben von Menschen, die sich ihres Lebens erfreuen und er weiß ganz genau, dass er nicht mehr dazugehört. Auch Kilian, Ziel und Quelle des Humors, ist wesentlich tiefschürfender als man dies jetzt vielleicht auf Grund meiner Erzählungen vermuten könnte. Auf seine Art ist er genauso einsam wie Alexandre. Vielleicht noch mehr, denn der Werwolf hatte nie eine Familie, weiß so gut wie nichts über sein Erbe und war den Großteil seines Lebens ein zum Sklavendasein Verurteilter, ein Missbrauchter, der sich immer als Freak sah. Erst als die beiden aufeinandertreffen kommt so etwas wie Licht in ihre Leben – denn sie können sich auf einer ganz bestimmten Ebene verstehen und irgendwann auch wertschätzen. Das ist aus meiner Sicht die ganz große Stärke dieser Geschichte und macht den wesentlichen Charme aus.

Vom Erzählstil her ist „Alexandre“ gewöhnungsbedürftig, da ein „Ich“-Erzähler gewählt wurde. Nun hat dies bei Büchern wie „Twilight“ sehr gut geklappt, bei Alexandre führt dies jedoch zu einem Problem: Es gibt zwei Hauptdarsteller. Alexandre und Kilian. Während in Twilight die Lösung darin bestand, streng aus Sicht von Bella zu erzählen (mit wenigen Ausnahmen), ging Marcel Saint Julien einen anderen Weg: Beide Hauptcharaktere erzählen die Geschichte abwechselnd aus ihrer jeweiligen Perspektive. Das kann zuweilen verwirrend sein, vor allem in Kapiteln in denen sie miteinander interagieren. Dort wird beinahe Satzweise zwischen den beiden hin und her „geschaltet“. Zwar bekommt der Leser immer den totalen Zugriff auf die Innenwelt beider Charaktere, dies wirkt stellenweise aber ablenkend und hat zwangsläufig zur Folge, dass etliche Situation einfach zweimal beschrieben werden, wenn auch aus (mal mehr, mal weniger) unterschiedlichen Perspektiven. Manche schnelle, spannende Szenen leiden meiner Meinung nach darunter. Warum? Man fiebert der Entwicklung entgegen aber statt dessen wird man in der Zeit kurz zurückgeworfen um dasselbe noch mal zu erleben.

Ich persönlich hätte mir mehr Informationen zur Welt der Vampire und Werwölfe gewünscht. Der Autor liefert zwar immer wieder Häppchen die den Leser erahnen lassen, dass ein großes, fantastisches System dahinter steckt – eine geheime Welt der Vampire und Werwölfe, abseits der Menschen – aber so richtig klar wird das nicht. In der Folge ist die „Mythologie“ hinter der Geschichte weniger lebendig als sie das sein hätte können. Meine Hoffnung ist, dass Marcel Saint Julien dies in den folgenden Bänden des „Alexandre“  noch nachreicht. Vielleicht war es ja sogar eine bewusste Entscheidung um den Leser auf die nächsten Bände neugierig zu machen  - in dem Fall hat es bei mir wunderbar geklappt.

Die Charaktere in „Alexandre“ sind in der Regel sehr gut aufgebaut und glaubwürdig. Vor allem die beiden Hauptcharaktere kann man förmlich „spüren“ und ich bin mir sicher viele Leser, vor allem zwischen 15 und 25 werden sich mit ihnen identifizieren können - zumindest teilweise. An manchen Stellen musste ich mich jedoch über Alexandres und Kilians Ausdrucksweise wundern. Meistens sprechen sie so, wie man das von gewöhnlichen Menschen erwarten würde und dann, plötzlich, kommen ein paar hochgestochene Sätze, die irgendwie nicht stimmig sind und in dieser Form eher in einen der großen Romane des 19. Jahrhunderts passen würden. Das tut dem Gesamtbild wenig Abbruch,  ist aber trotzdem schade, weil es einfach auffällt und, ja, irgendwie störend ist.

Wie schon erwähnt, finde ich vor allem die Gestalt des Alexandre sehr faszinierend. Seine innere Zerrissenheit, seine Verlustängste durch das Verschwinden seines Vaters und die Trennung von seiner Familie vor so vielen Jahren. Darin besteht eine der ganz großen Stärken des Autors – diese Emotionen auf Papier zu bannen und zum Leser zu tragen. Manchmal jedoch tat ich mir auch schwer bestimmte Handlungsweisen von Alexandre zu verstehen. Gerade mit Kilian ist er sehr oft defensiv bis aggressiv, was mir seltsam erscheint wenn man seine Gedanken, die der Autor häufig preisgibt, mit dem vergleicht, was er in der Situation wirklich sagt. Das gibt dem Protagonisten eine gewisse emotionale Ambivalenz, eine Wankelmütigkeit, die man fast schon als Gespaltenheit auslegen könnte. Wobei durchaus die Möglichkeit besteht, dass dieser Zwiespalt von Marcel Saint Julien bewusst herbeigeführt wird.  

Der generelle Fluss der Geschichte ist logisch und stimmig, lediglich in einer Situation, im Kampf mit einer Horde von Vampiren, wird auf einen Deus Ex Machina zurückgegriffen um die sprichwörtlichen Kartoffeln aus dem Feuer zu holen.
     

Fazit: Ein äußerst gelungener Vampir-Werwolf Roman den ich jedem Leser nur empfehlen kann. Bei all der Spannung, den lustigen  Szenen und den tragischen Stellen die einem den Atem stocken lassen sieht man auch gerne über die kleinere Schwächen hinweg, die durchaus auch vorhanden sind.


The Good:
+ Eine sehr spannende Geschichte
+ Glaubwürdige Charaktere mit denen man sich identifizieren kann
+ Das düstere Gothic Feeling, gemischt mit einer gehörigen Portion „Teenage Angst“ ist häufig und gut umgesetzt
+ Macht definitiv Lust auf die nächsten Bände
The Not-So-Good:
- Teilweise uneinheitliche Sprache der Protagonisten. Hochgestochene Sätze sind dazwischen gestreut die irgendwie nicht stimmig sind
- Ab und zu tut man sich schwer mit Alexandres Ambivalenz bezüglich seiner Freundschaft zu Kilian
- Zumindest einmal in der Geschichte (im Kampf mit den Vampiren) greift der Autor zu einem Deus-Ex-Machina um die Situation zu bereinigen

Freitag, 1. Juli 2011

Wieder mal Zeugs mit Wichtigkeit

Man würde es ja nicht für möglich halten aber es ist tatsächlich wieder ein Magazin erschienen (SpecFlash Ausgabe 9), in dem der geneigte Leser einen von mir verfassten Text finden kann. Und nicht nur das - auch ein kurzes Interview und ein noch kürzerer Absatz zu meinem Plänen für die nahe Zukunft sind dort enthalten. 

Da ich jetzt mal einfach davon ausgehe, das jeder, der diese Zeilen liest, nicht komplett uninteressiert an meinen Projekten ist, teile ich hiermit den Link zur Homepage des Magazins. Die Online-Ausgabe kann von dort direkt heruntergeladen werden. Es liegen 2 Versionen vor, einmal eine ca. 6MB große Low Resolution Version und einmal eine ca.10MB große High Resolution Version. Meinen Betrag findet ihr auf den Seiten 8 bis 18.

http://www.specflash.de/

Man merkt dem Magazin wirklich an, dass das gesamte Team sehr viel Herzblut reingesteckt hat und ich kann nur jedem empfehlen es sich zu Gemüte zu führen! Und damit meine ich wirklich das gesamte Magazin, nicht nur meinen (bescheidener) Beitrag!

Wie immer freue ich mich sehr über Rückmeldungen, Anregungen, Hinweise, ... ihr wisst eh :)

Sonntag, 26. Juni 2011

Die Zeit heilt alle Wunden

Es ist wieder so weit. Ein neuer Blogeintrag steht bevor und wie immer möchte ich alles Leser ausdrücklich vor dem Inhalt warnen. Das könnte deprimierend und/oder langweilig sein. Im schlimmsten Fall ist der Leser völlig anderer Meinung und mag mich danach nicht mehr (sofern das nicht vorher schon der Fall war). Inhaltlich handelt es sich wie immer um meine persönliche, private Meinung und so weiter und bla. Tippfehler sowie diverse Verbrechen an der deutschen Grammatik sind beabsichtigt und sollen den Leser ermutigen seine eigenen Rechtschreibkenntnisse zu prüfen. 

Die Zeit heilt alle Wunden. Zumindest sagt man das. Ich persönlich liebe ja diese ganzen Familienserien wie Beverly Hills 90210 (die alte Version aus den 90ern, nicht das Neue), The OC (hier auch als OC California bekannt), One Tree Hill und wie sie alle heißen. Auch, weil darin so denkwürdige Sätze wie der vorhin genannte fallen. Manchmal reicht dann so ein One-Liner schon, um mich nachdenklich zu machen. Da bin ich etwas komisch, gebe ich offen zu. In jenen Momenten beginne ich mich zu fragen, wo dieser Satz herkommt, was er bedeutet, wie er sich entwickelt hat und vor allem: Wie viel Wahrheit steckt denn drinnen in so einer „Weisheit“?
Als Wissenschaftler bin ich mit dem kleinen Tierchen namens „Bias“ sehr vertraut. Der Bias ist ein kleines, mit bloßen Augen fast nicht wahrnehmbares Spinnentier, der gemeinen Zecke nicht unähnlich. So wie Bakterien und Viren ist der Bias immer da. Egal was wir tun, wir sind von ihm und seinen Artgenossen umgeben. Wir leben und atmen den Bias quasi täglich. Wissenschaftlich betrachtet ist der Bias eine Wahrnehmungsverzerrung. Wir erwarten ein bestimmtes Ergebnis also bekommen wir es auch. Manchmal hat man das Gefühl der Mensch sei eine Bias-Maschine, immer darauf bedacht möglichst viel zusätzlichen Bias in die Welt zu schmeißen. Aber das ist eine andere Geschichte. Grundsätzlich müssen wir damit leben, dass es diese Verzerrungen gibt, wir strukturieren unser ganzes Leben anhand dieser. Als Wissenschaftler wird man schon früh darauf trainiert den Bias zu erkennen, ihn zu benennen und möglichst an den Rand zu drängen. Eigentlich gemein, der Bias hat nie wirklich eine Chance zu glänzen, er muss sein Dasein sozusagen im Brennpunkt (hach, auch so ein herrlicher Euphemismus) der wissenschaftlichen Gesellschaft verbringen. Dafür tut er aber alles, um denen im Rampenlicht die Party zu vermiesen. Loswerden kann man ihn nicht, zumindest nicht so lange wir noch denkende, fühlende Wesen sind, dazu ist der Bias fiel zu tief in uns verankert.
Warum erwähne ich das alles? Nun, ich denke, dass solche Sprüche wie „Die Zeit heilt, alle Wunden“ auf einem solchen Bias, einer fatalen Wahrnehmungsverzerrung, beruhen. Betrachten wir diese Aussage doch einmal genauer. „Die Zeit heilt alle Wunden“. Ich glaube dem Satz fehlt folgender Anhang: „… außer jene, an denen man zugrunde geht“.
Klingt jetzt etwas hart. Beinahe schon brutal. Oder nicht? Ist aber leider wahr. Wenn die Zeit wirklich alle Wunden heilt, dann dürfte es keine traurigen, verlorenen und unglücklichen Menschen mehr geben auf dieser Welt. Zumindest nicht auf lange Sicht. Aber sie sind da. Überall. Man muss nur genau hinschauen. Tatsächlich macht der Satz an sich die Situation oft noch schlimmer, aber dazu später mehr.
Zuerst die Grundfrage: Wie kann ein solcher Satz entstehen? Ein Satz, der so offensichtlich nicht wahr ist? Im Grunde steht er ja auf Augenhöhe mit dem allseits gefürchteten: „Es wird alles wieder gut!“ Brr, der Satz fühlt sich an wie das Geräusch eines Zahnarztbohrers. Im Grunde sagt er ja auch nichts anderes als: „Ich habe keine Ahnung wie es weiter geht aber mach dir mal keine Sorgen so oder so, wird schon irgendwas passieren!“
Ja, wie nur kann so ein Satz das milde Licht der Welt erblicken? Ich glaube es liegt an einem sehr starken und äußerst beliebten Bias. Sozusagen der Hulk Hogan der Biase (erinnert sich noch wer an Hulk Hogan?).
Nehmen wir folgende hypothetische Situation: Es gibt ein Medikament, welches bei einer potenziell tödlichen Krankheit eine Heilungschance verspricht. Nun wollen wir wissen, ob dieses wirklich heilt. Also wollen wir das prüfen. Aber wie? Na klar, wie gehen rum zu allen Leuten, die das Medikament bekommen haben und fragen, ob es ihnen geholfen hat. ----- Sieht wer das Problem? Alle, die noch in der Lage sind, uns zu antworten, werden wohl mit hoher Wahrscheinlichkeit angeben, dass Ihnen das Medikament geholfen hat (bis auf ein paar Ausnahmen, die wir dann als „Ausreißer“ aus dem Datensatz eliminieren). Sonst wären sie ja tot. Wir stehen also am Ende mit einer Liste da, auf der nur Namen stehen von Leuten, denen das Medikament geholfen hat. Und kein einziger Name, bei dem es nichts gebracht hat. So amüsant-absurd das jetzt auch klingt – Alltagslogik funktioniert genauso. Jene die verstorben sind können ihre Meinung nicht mehr kundtun. Und so ähnlich ist es auch mit der Zeit die alle Wunden heilt. Jeder, der diesen Satz benutzt, hat am eigenen Leib wohl schon erlebt, dass die Zeit dazu imstande ist. Aber was ist mit all den anderen? Mit jenen, deren Wunden die Zeit nicht geheilt hat? Die daran zugrunde gegangen sind? Sie sind stumm, weil sie keine Lobby haben. Aus der Zählung fallen sie einfach raus. Im Prinzip ist der Satz an sich eine nicht widerlegbare Hypothese: Atmest du noch, dann hat er immer noch die Chance wahr zu werden, weil noch Zeit da ist, um deine Wunden zu heilen. In dem Moment, in dem du aufhörst, zu atmen fragt dich keiner mehr.
Man mag jetzt einwerfen, dass es sich hierbei um kein großes Problem handelt. Sicher keines, das es wert wäre kostbaren Speicherplatz im Netz zu vergeuden (ja, auch dieser Blog nimmt Speicherplatz ein, wobei man jetzt über den Wert desselben streiten könnte – solange es ganze Armeen vonseiten gibt, die sich nur dem Vertrieb von süßen Bildschirmhintergründen mit Kätzchen drauf verschrieben haben …). Aber das Problem beginnt dort, wo Menschen aufgrund solcher Sätze nicht mehr die Zuwendung und Hilfe bekommen, die sie eigentlich notwendig hätten. Wie oft denkt man sich „die Zeit wird das schon richten“, wenn uns ein Mensch in psychischer Not begegnet? „Das wird schon wieder“, „geh‘ hab dich nicht so, das geht vorbei“, „Morgen sieht die Welt ganz anders aus“, „die Zeit heilt alle Wunden, wirst schon sehen“ und ähnliche Aussagen geben jenen nicht selten das Gefühl irgendwie „schwach“ zu sein, sie fühlen sich dann unter Druck, dass es ihnen endlich besser geht – denn wenn die Zeit alle Wunden heilt, es mir aber trotzdem nicht besser gehen will, dann muss doch der Fehler irgendwo bei mir liegen, nicht? Und vielleicht werden sie irgendwann so tun, als ginge es besser, nur um diese Sätze nicht mehr hören zu müssen.
So viel dazu. Würde mich über Rückmeldungen freuen!

Samstag, 18. Juni 2011

Damien Jurado und verletzte Vögel

Wie immer stellt dieser Text meine persönliche Meinung dar. Muss man nicht gelesen haben. Ist vielleicht sogar besser, wenn man es nicht gelesen hat. Außerdem leg es mir fern irgendjemandem mit meinen Texten Schaden zuzufügen. Soviel mal zur Warnung!


Also gestern habe ich auf einer längeren Zugfahrt auf meinem iPod Touch (man verzeihe die subtile Schleichwerbung aber ich mag das Teil wirklich und bekomme absolut kein Geld von Apple für – im Gegenteil, ich habe verdammt viel dafür bezahlt) wieder mal „Live at Landlocked“ von Damien Jurado gehört.

Wer den Kerl noch nicht kennt sollte das schnell ändern. Wobei man den Stil auch mögen muss. Seine Musik ist sehr textlastig, soll heißen, dass die Melodie vielfach nur den Text unterstützt und nicht, wie bei so manchen anderen Musikern und Bands, der Text nicht mehr als triviales Beiwerk ist um die Zeit bis zum nächste Gitarrensolo bzw. gestöhnten Powergesang zu überbrücken. Im Grunde sind die meisten Songs von Damien sehr ruhig und der Fokus liegt auf seiner Stimme und einer Gitarre. Mag für manche jetzt langweilig klingen – mir gefällt’s.

So saß ich da im Zug, ließ die Kilometer an mir vorbeiziehen und dann lief wieder dieses eine Lied: „Sheets“ von besagtem Herrn Jurado. Ich muss ganz ehrlich zugeben, dass mich die Lyrics immer wieder packen und durch den Fleischwolf drehen. Dabei weiß ich nicht einmal so genau warum – außer, dass ich das Gefühl habe genau zu verstehen wie der Text gemeint ist. Eine persönliche Verbindung. Vorweg sei aber auch gesagt, dass ich noch nie mit Damien persönlich darüber gesprochen habe (und nein, ich kenne ihn nicht also wird das eher schwerlich geschehen), ich weiß nicht wie seine Interpretation aussieht. Vielleicht liege ich ja völlig falsch? Wäre nicht das erste mal.

So wie ich den Text verstehe geht es um einen Mann, der in einer Beziehung mit einer Frau ist, die noch an einem anderen hängt. Wer kennt das nicht? Die Freundin kommt einfach nicht vom Ex los, aus irgendeinem Grund fühlt sie sich noch mit ihm verbunden. Vielleicht weil sie glaubt, dass er nicht so recht über die Trennung hinwegkommt und ihm helfen möchte, vielleicht weil er eine „verletzte“ Seele ist, die immer noch ihren Zuspruch braucht. Das Lied beginnt so:

Is he still coming around like an injured bird needing a nest?
A place to rest his head in a song you'll regret
Lord knows I don't want to compete
But I still sleep in the very sheets he's been in

Ich finde das ziemlich treffend. Er, der immer wieder vorbeikommt wie ein verletzter Vogel der ein Nest braucht. Und auf der anderen Seite das Erzähler-Ich, welches irgendwie spürt, dass es dagegen nicht ankommt aber trotzdem auch nicht einfach weg kann. Der Erzähler schläft in denselben Laken in denen auch „er“ schläft. Also ich persönlich finde diese Textstelle extrem hart und unglaublich ehrlich.

Seid Ihr nicht auch schon mal in einer solchen Situation gewesen? Vielleicht war es ja nicht mal wirklich euer Freund oder eure Freundin, welche nicht von jemandem losgekommen ist aber alleine von außen dabei zuzusehen kann verdammt weh tun, weil es einfach nicht gesund ist. „Er“ kommt immer wieder zurück, zeigt seine Wunden und „sie“ geht sofort in den barmherziger Samariter Modus ohne zu merken, wie weh das dem eigentlichen Partner tut. Ich habe auch schon Männer gekannt, die das absolut ausgenutzt haben. Natürlich auch Frauen. Ich benutze hier vorwiegend eine bestimmte Geschlechtsform weil ich die Geschichte hauptsächlich von einer Seite her kenne – man mag mir dies nachsehen (oder auch nicht). Und wenn mir mal ehrlich sind – wollen wir nicht alle dem „armen verwundeten Wesen“ helfen – aber was, wenn wir dabei anderen weh tun? Und was, wenn der vermeintlich Verwundete gar nicht so verletzt ist wie er es vorgibt zu ein? Wenn es alles nur ein Spiel ist? Eine Masche? Ich habe das schon erlebt.

Es ist ja generell verblüffend wie manipulativ Menschen werden können wenn es um die Liebe geht. In solche Situation sind sie sich für nichts zu schade und kein Trick scheint mehr zu schmutzig zu sein. Aber wie sagt man so schön: „In der Liebe und im Krieg ist alles erlaubt“. Und nirgendwo sonst zeigt der Mensch sein wahres Gesicht in all seiner Scheußlichkeit. Andererseits sind es auch der Krieg und die Liebe in der die Menschen über sich hinauswachsen und ihr wahres Potenzial entfalten. Sowohl im Positiven als auch im Negativen. Das Gute und das Böse liegen eben doch nahe beieinander.  

Ist das vielleicht auch der Grund warum sich viele Leute recht offensiv so geben? An dieser Stelle komme ich leider nicht an einem mehr oder weniger kleinen Seitenhieb auf Twilight vorbei. Ist Edward nicht die fleischgewordene „Verwundung“ schlechthin? Wenn man in seine müden, schmerzgeplagten Augen blickt, seine gequälte Mimik – ja seine ganze Körperhaltung schreit einfach nur: „Meine Seele leidet, halt mich fest, gib mir ein Nest und pfleg‘ mich gesund!“ Könnte ja sein, dass da auch Berechnung dahinter steckt. Also jetzt nicht von Edwards Seite (der Arme ist ja nur eine fiktive Gestalt) aber doch von Seiten der Autorin. Verliebt sich die „Krankenschwester“ nicht oft in ihren „Patienten“? Hierzu würde mir der „Florence Nightingale Effect“ einfallen. War aber auch wirklich schlau Edward so anzulegen. Wobei natürlich schon der eine oder andere Vampir bei Anne Rice in diese Kerbe schlägt (an alle die sich nicht mehr erinnern: Anne Rice schrieb tolle Vampirbücher lange bevor es „in“ wurde als Geschöpf der Nacht im Sonnenlicht zu glitzern).

Sollte man aus all diesen Gründe potenziell verletzte Vögel im Auge behalten? Wer weiß, wann die ein Nest brauchen und wo sie es baue wollen. Vielleicht, vielleicht auch nicht. Im Grunde ist es auch so wie mit allen Dingen des Lebens – man zimmert sich selbst irgendwelche Richtlinien zusammen, versucht sich dran zu halten und schraubt mit der Zeit dran herum bis man so etwas wie eine persönlich Ethik vor sich hat in der man in der Nacht beruhigt schlafend kann. Aber mehr als eine provisorische Hundehütte wird es nie werden. „It’s all kinda touch and go“. So würde der Anglophile wohl sagen.  

Worauf wollte ich eigentlich hinaus? Im Grunde zwei Dinge: Damien Jurado ist ein verdammt guter Singer/Songwriter der echte Emotionen hervorrufen kann und manchmal sind die Menschen nicht das, was sie scheinen. Ich denke den Rest überlasse ich den Lesern dieser Zeilen und würde mich über Kommentare freuen.

Montag, 13. Juni 2011

Meine Geschichte im Alpha-Channel

Liebe Leser meines Blogs,

am 10.06.2011 war es so weit, meine Kurzgeschichte "Die letzte Zuflucht" wurde im Alpha-Channel online als Stream übertragen. Gelesen hat das ganze Rena Larf - meiner Ansicht nach sehr professionell und schön!

Wer das große Event verpasst hat, muss sich jetzt keine Sorgen machen, denn die Sendung steht weiterhin online als Stream zur Verfügung oder kann auch direkt heruntergeladen werden (das wär doch was, "Dan für unterwegs", hihihi). Wer also Lust hat reinzuhören, kann das unter diesem Link tun:

http://de.1000mikes.com/show/alpha__channel

Du findest die Geschichte gut? Dann lass es die Welt wissen und applaudiere - ist nur ein Klick und würde mich wahnsinnig freuen!

Ich wünsche Euch viel Spaß und neue Blogeinträge werden folgen!

Donnerstag, 2. Juni 2011

Das Leben ist 'ne komische Sache

Dieser Text hat das Potenzial deprimierend zu sein, zumindest für bestimmte Personen. Wer etwas Lustiges lesen will ist hier verkehrt und sollte schleunigst die Seite wechseln. Das war eine Warnung.
Wer in diesen Worten die Wahrheit sucht wird wahrscheinlich enttäuscht werden. So etwas wie Wahrheit gibt s nur in der Mathematik, weil diese ein axiomatisches System ist. Das Leben kennt keine Axiome (oder Dogmen, wer mit diesem Begriff eher vertraut ist). Vielleicht irre ich mich auch. Keine Ahnung.

Das Leben ist eine komische Sache. Wer mich kennt weiß, dass ich generell den menschlichen Zustand  (the human condition) meistens  mit Humor betrachte. Humor und manchmal ein bisschen Verzweiflung. Vielleicht bin ich deshalb leidenschaftlicher Rollenspieler und schreibe. Weil ich diesen inneren Wunsch habe eine Welt zu schaffen, in der alles einen Sinn ergibt, in der jeder Charakter eine schlüssige Hintergrundgeschichte hat und die Menschen nur dann sterben, wenn es die Geschichte erfordert. Und nicht einfach so.
Manchmal schwanke ich zwischen meiner Einschätzung wie viele Akte das Leben eines Menschen hat. Sofern es denn vollständig ausgelebt wird. Sind es nun drei oder vier Akte? Wie ich überhaupt auf den Gedanke komme?
Also, gestern saß ich im Zug. Eigentlich nichts ungewöhnliches werdet ihr jetzt sagen. Aber beim Blick aus dem Fenster war da eine junge Frau auf einem Mofa. Wie alt wird sie gewesen sein? Ich würde mal sagen 16. Auf keinen Fall älter als 18.  Als ich sie sah kam meine Vergangenheit wie eine Welle kalten Wassers über mich und verschlang alles auf dem Weg. Mein bisheriges Leben. Meine Einstellungen. Die Abzweigungen des Pfads die ich genommen hatte. Einfach weg. Hinfort gespült von diese einen Bild. Kennt ihr das vielleicht auch? Ein Geruch, ein Bild, ein Geräusch oder eine Kombination von dem tragen euch in die Vergangenheit zurück? Nein, eigentlich ist es viel mehr. Ihr WERDET wieder zu der Person, die ihr vor 15 oder gar 20 Jahren wart. Man nimmt die Welt dann für einen kurzen Augenblick wieder so wahr wie in jenen Tagen der Jugend (hört ihr auch gerade „Boys of Summer“ von Don Henley im Hintergrund?). Ein seltsames Gefühl aber gleichzeitig unglaublich frei.
Leben bedeutet auch Pfade in die Substanz des Seins zu treten. Was vorher eine jungfräuliche Wiese war ist am Ende eine schlammige Fläche aus der noch ein paar intakte Grashalme ragen. Leben heißt darüber hinaus Brücken hinter sich abzubrechen, Gewissheiten aufzugeben. Die Beschilderung der Kreuzungen hinter uns versinken im Boden und eigentlich kann man nur nach vorne gehen. Der Pfad wird enger. Mit jeder Entscheidung die wir treffen. In jenem Moment im Zug aber sah ich das Gras innerhalb von Sekunden wieder sprießen, aus dem Morast wurde ein Paradies. Verbrannte Brücken erhoben sich majestätisch aus den Fluten der Ewigkeit und ich stand da und staunte wie das Kind, das ich einmal war.  
Wie ist das aber möglich? Wie kann man wieder zu einem Menschen werden, der eigentlich von Rechts wegen unter tausend Entscheidungen längst schon erstickt sein hätte müssen? Eine Erinnerung.
Der Neocortex, der Teil des Gehirns der uns zu dem macht, was wir sind, ist ein riesiges, neuronale Netz. Wie in jedem Netz gibt es Knotenpunkte die über lange Fäden mit anderen Knotenpunkten verbunden sind. Was wir sind, wer wir sind und wie wir sind hängt nicht von einem dieser Knoten ab, sondern davon wie diese  miteinander verbunden sind. Jede dieser Verbindungen hat eine sogenannte Gewichtung. Sie ist entscheidend dafür, ob, wenn Knoten A aktiviert wird, Knoten B ebenfalls anspringt. Ist die Verbindung stark wird das Signal von A nach B laufen. Ist die Verbindung schwach, dann existiert zumindest eine gewisse Chance dazu. Ist die Verbindung aber negativ, dann wird bei jeder Aktivierung von A der Knoten B gehemmt. Dadurch ergeben sich komplizierte Aktivierungsmuster, die wie Wellen durch das Netz rollen.
Diese Muster – das sind wir. Zu einem bestimmten Zeitpunkt. Die Gewichtungen, ja selbst die Verbindungen an sich, sind formbar. Sie können jederzeit verändert werden und tun dies auch recht häufig. Im Laufe unseres Lebens verlieren einige Gewichtungen an Bedeutung, andere werden stärker. Neue Verbindungen werden geschaffen, andere verschwinden. Mein jüngeres Ich entsprach also einem ganz speziellen Aktivierungsmuster. Über die Jahre kam es zu Veränderungen aber irgendwo da drinnen sind die alten Gewichtungen noch. Verändert. Teilweise entkoppelt. Aber es ist noch genug da um dieses alte Ich, dieses spezifische Muster von Erleben, Empfinden, zumindest für Augenblicke aus den Tiefen der Vergessenheit emporzuheben und ich weiß wieder wie es ist 16 zu sein. An einem solchen Moment kann man sich nicht festhalten. Er dauert kurz. Und vergeht wieder. So ist es auch gedacht, schließlich handelt es sich um eine Art Fehlfunktion. Das bin ja eigentlich nicht mehr ich – dafür hat das Leben schon gesorgt.  
Die Akte des Leben hängen eng mit dem neuronalen Netz in uns zusammen. Der Erste ist jener, in dem das Netz neu, jung und ungeprägt daherkommt. Alles ist möglich. Jede Art von Verbindung ist denkbar und das Gehirn formbar wie ein Klumpen Ton. Gleichzeitig sind wir aber auch nicht frei. Es muss ein Vorbild da sein, eine Welt die uns zeigt was es heißt im hier und jetzt Mensch zu sein. Dies sind die ersten 10 bis 13 Lebensjahre. Am Ende dieser Zeit besteht das neuronale Netz in seiner Grundform. Die Pubertät bedeutet noch einmal einen radikalen Umbau dieses Netzes, sie steht am Ende des ersten Aktes. Zu Beginn  des zweiten Akten sind wir zu dem Menschen heran greift, der wir den größten Teil unseres Lebens sein werden. Natürlich entstehen immer noch neue Verbindungen und Gewichtungen, sie verändern sich aber nie mehr in dem Maße wie zur Zeit des ersten Aktes. Man könnte sagen unsere Persönlichkeit verlässt die Zeit der Revolution und tritt ein in das von einer milden Sonne beschienen Zeitalter der Evolution. Das sind die mittleren Lebensjahre, die irgendwann in den 20ern Beginnen und meist bis ins Alter hinein reichen. Im letzten Akt schließlich beginnt der Zerfall des Netzwerkes. Gewichtungen bröckeln wie Sandstein im saueren Regen, Knoten vergehen und Verbindungen flattern lose im Angesicht des grimmigen Schnitters. Es ist eine Zeit die einerseits von einer gewissen Starre geprägt ist. Alte neuronale Netzte neigen dazu unflexibel zu werden, Veränderungen finden an der vierte oder fünften Stelle nach dem Komma statt. Andererseits ist es auch eine Zeit der Erinnerung. Durch den langsamen Zerfall kommen alte Muster wieder hoch, längst vergangene Gefühle, Personen und Orte werden erneut real.
So wäre es mit einem Leben in drei Akte. Im ersten Akt sind wir abhängig aber voller ungeahnter Möglichkeiten. Im zweiten Akt bestimmen wir selbst den Kurs unseres Schiffes aber Entscheidungen aus dem ersten Akt engen uns ein. Wir sind dann schon eine Persönlichkeit und mit jener müssen wir wohl leben. Der dritte Akt ist schließlich der Abschluss einer großen Geschichte. Es sind nicht mehr viele Abzweigungen übrig, die Entscheidungen wurden getroffen und wir erleben die Nachwirkungen jenes Erdbebens, das wir unser Leben nennen.   
Das Leben in vier Akten ist  nur wenig anders. Vor allem der erste Akt ist unterteilt. Zuerst kommt jene Zeit in der wir völlig abhängig sind und es uns meistens nicht stört. Die Kindheit. Eltern und Bezugspersonen sind, wenn alles läuft wie es soll, willkommene und geliebte Lehrmeister in deren Händen wir uns formen lassen. Darauf folgt die Jungend mit der Pubertät. Eine Zeit in der wir langsam die Möglichkeiten des Lebens erkennen. Unabhängigkeit wird wie eine Karotte vor unserer Nase geschwenkt und wir laufen ihr nach. In dieser Zeit spürt man die Abhängigkeit von den Eltern und Bezugspersonen als Ketten die ins Fleisch schneiden. Wir beginnen unser neuronales Netz selbst zu gestalten in dem wir uns der Musik, den Büchern, generell den Einflüssen aussetzen, die wir als richtig erachten. Im dritten Akt sind wir schließlich Erwachsene, stehen mitten im Leben und entdecken, dass wir zwar theoretisch alle Freiheiten haben aber sowohl von innen, durch angelernte Muster als auch von außen, durch Zwänge der Notwendigkeit des Lebens, in gewissem Maße gefangen sind. Ein Formel-1 Auto im Stadtverkehr. Der letzte Akt schließlich ist wiederum der Zerfall.   
Als ich im Zug saß wurde ich wieder in den zweite von vier Akten meines Lebens zurückgeworfen. Ich sah auf mich und erkannte, wie gefangen ich eigentlich bin in jenem Netz, dass sowohl ich selbst als auch andere um mich gewoben haben. Wie herrlich es sein könnte noch einmal dieses Gefühl der grenzenlosen Möglichkeiten zu spüren. Und mich beschlich ein Verräterischer Gedanke: Könnte ich nur wieder 16 sein. Natürlich handelt es sich bei dem Gedanken um absoluten, völligen Blödsinn. Die Welt  mit 16 ist ein komplizierter, gefährlicher, verräterischer Ort. Schule, Freunde, Familie, all jene Zwänge die einen umgeben. Ich persönlich mochte die Schule nie. Lehrer die sich in Allmachtsfantasien ergehen und täglich vor eine Klasse eingeschüchterter Menschen treten um diese ungestraft anzuschreien. Lehrer die Schüler verbal erniedrigen. Prügelnde, einschüchternde Mitschüler. Ein durchgeplanter Tagesablauf aus dem es keinen Ausweg gibt. Finanzielle Abhängigkeit. Dieses Gefühl in eine Form gepresst zu werden die hinten und vorne nicht zu einem passt. Und rundherum eine Welt die offensichtlich nicht verstehen will was eigentlich zählt.
Aus all diesen Gründe möchte ich nicht mehr 16 sein. Aber ich hätte gerne die Gefühlswelt zurück. Alle Emotionen waren so stark, so intensiv und unmittelbar. So viele erste Male. Wenn man älter wird verfängt man sich immer mehr in  diesem Netz. Solange man in den ersten beiden Akten des vieraktigen Lebens steckt hat man immer Meilensteine nach denen man neu anfangen kann. Man arbeitet auf diese neuralgischen Punkte hin und macht sich meistens wenig Gedanke darüber was jenseits davon liegt. Im dritten Akt gibt es diese nicht mehr. Zumindest meistens nicht. Man schaut auf seine Arbeit und stellt fest: Das oder etwas Ähnliches werde ich tun bis ich alt bin.  Eine Tretmühle aus der man nur schwer herauskommt. Finanzielle Einbußen  und soziale Ausgrenzung ist nicht selten die Folge eines Ausstieges.
Um diese Möglichkeiten des Neuanfanges beneide ich mein 16jähriges ich. Nicht aber um die Angst des Versagens. Jetzt sind die Weichen gestellt, ich habe eine Ausbildung, verdiene nicht schlecht und mit jedem Jahr füllt sich mein Lebenslauf mit neuen Errungenschaften. Dieser Lebenslauf bestimmt wofür ich mich bewerben kann und wofür nicht. Das ist einschränkend. Aber er gibt auch Sicherheit. Das HABE ich und niemand kann es mir mehr nehmen. Ein unbeschriebenes Blatt lebt immer unter dem Damoklesschwert des absoluten Versagens. Mit jedem Tag kann man eine falsche Weiche stellen und an einem Geisterbahnhof ankommen. Ein jahrelanges Strampeln gegen den Treibsand bis endlich der letzte große Meilenstein genommen wurde. Einfacher wird es danach freilich auch nicht. Aber irgendwie sicherer.
Heute stehe ich irgendwo in der Mitte des dritten bzw. des zweiten Aktes meines Lebens. Ich schaue mich um und vermisse das Gefühl der Freiheit. Dabei frage ich mich, was aus all den Möglichkeiten geworden ist die ich mit 16 sah. Manche davon habe ich genutzt, andere nicht und viele stellten sich als Irrlichter heraus.
Trotzdem – wirklich wieder 16 sein wollte ich nicht. Zumindest nicht so wie die Welt damals war. Eine Rechtfertigung dafür finde ich jedes Mal wenn ich eines der alten Bücher zur Hand nehme. Nicht wenige davon sind mehr als 20 Jahre alt. Veteranen denen man jedes Jahr ansieht. Als Junge habe ich gerne vorne in meine Bücher was reingeschrieben – damit ich mich erinnere. Zum Beispiel wie meine Haustiere hießen, wie es mir ging, mein Alter und wo ich das Buch gekauft hatte. Ein seltsames Gefühl die kindliche Schrift dieser Zeit vor mir zu sehen. Zu wissen, dass ich es war, der diese Zeichen auf jene Seiten setzte. Und da steht die Botschaft, von mir an mich: „Wenn Du das liest denk daran, auch ich habe Probleme“. Irgendwie gruselig. So als hätte ich mit 11 Jahren schon geahnt, dass ich in Zukunft vielleicht mit rosaroter Brille auf die Vergangenheit blicken würde. Ich glaube das war mir immer schon ein Graus, diese Idealisierung der Kindheit und Jugend die manche Menschen exzessiv betreiben. Würde jetzt ja gerne ein Gespräch mit meinem vergangenen Ich führen. Zu schade, dass der Kerl nicht mehr unter uns weilt. Und trotzdem – die Gefühlswelt von damals war etwas Besonderes. Um heute denselben Zauber noch einmal zu erleben muss man wohl weit gehen.
Aber vielleicht, nur vielleicht ist die Tatsache, dass solche Gedanken in mir hochkommen schon ein gutes Zeichen. Möglicherweise ist die Veränderung gerade mal um die Ecke. Auf jeden Fall ist vieles in Bewegung geraten in den letzten 12 Monaten. Man darf gespannt sein.